Bayern

Notdienstreform aus Sicht der KV auf gutem Kurs

Die KV Bayerns zeigt sich zufrieden mit dem bisherigen Stand der Notdienstreform. Bis Ende 2018 soll sie flächendeckend abgeschlossen sein. Auch von bayerischen Ärzten und Patienten gibt es bereits erste Rückmeldungen.

Von Christina Bauer Veröffentlicht:
Arzttasche wartet auf Einsatz: Im Bereitschaftsdienst in Bayern müssen Ärzte seltener ausrücken.

Arzttasche wartet auf Einsatz: Im Bereitschaftsdienst in Bayern müssen Ärzte seltener ausrücken.

© dondoc-foto / adobe.stock.com

MÜNCHEN. Ende 2018 soll die flächendeckende Reform des ambulanten Bereitschaftsdienstes in Bayern endgültig abgeschlossen sein. Die KV habe bisher 25 Prozent der Fläche abgedeckt, die übrigen 75 Prozent sollen nun folgen. Das hat der Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Krombholz bei der Vertreterversammlung am vergangenen Samstag in München angekündigt.

Bis Ende 2018 soll es landesweit insgesamt 110 Bereitschaftsdienst-Praxen geben. Sie sind mit wenigen Ausnahmen fast alle an Krankenhäuser angeschlossen. Das soll die Patientensteuerung erleichtern. Insbesondere ambulant-sensitive Fälle sollen an den neuen Portal-Praxen behandelt werden, um die Notaufnahmen der Kliniken zu entlasten.

Wie Krombholz berichtete, hat die KVB von Ende Oktober bis Anfang November Ärzte und Patienten zum bisherigen Reformverlauf befragt. Den Ergebnissen zufolge zeichne sich bei Patienten eine gute Akzeptanz der neuen Strukturen ab. In den zehn Pilotregionen hätten insgesamt 618 Patienten die Fragen beantwortet. Diese hätten sich großenteils mit der Erreichbarkeit der Praxen, Wartezeiten und Behandlung zufrieden gezeigt.

Von den 2971 befragten Ärzten hätten 422 geantwortet, berichtete der stellvertretende KVB-Vorstandsvorsitzende Dr. Pedro Schmelz. Von diesen beurteilten etwa zwei Drittel ihre Diensthäufigkeit positiv. Das gelte zudem für die Möglichkeit, Dienste an Poolärzte abzugeben, und für die neu eingerichteten Fahrdienste für Hausbesuche. Die Kooperation mit dem Klinikpersonal werde großenteils ebenfalls positiv bewertet.

Die Patientensteuerung gelingt aus Sicht der meisten Ärzte gut. Allerdings zeichnet sich auch ein Kritikpunkt ab: Fast zwei von drei kritisierten, die neu eingeteilten Bereitschaftsdienstbereiche seien zu groß. "Wir sind hier zu Veränderungen bereit", sagte Schmelz. Sobald die neuen Bereitschaftsdienstbereiche bayernweit eingerichtet seien, solle zusätzlich eine wohnortnahe Vermittlung etabliert werden. Dadurch solle sich für die Ärzte die Größe der Bereitschaftsdienstregionen relativieren.

Die KVB hat außerdem Behandlungsdaten für die Pilotregionen ausgewertet. Ein Vergleich der Zahlen des letzten Quartals 2015 mit denen des Vorjahres belegten, so hieß es auf der VV, dass die durch die Reform angestrebten Veränderungen für die Ärzte erreicht würden. Demnach würden die Behandlungsfälle im Fahrdienst weniger (minus 16 Prozent), die Fälle im Sitzdienst dagegen mehr (plus 18 Prozent). Die Patienten suchten also, wie gewünscht, öfter die neuen Praxen auf. Für die Ärzte fielen weniger Hausbesuche an.

Zeitgleich mussten die Notfallambulanzen der Kliniken sechs Prozent weniger Patienten behandeln. Außerhalb der Pilotregionen suchten dagegen vier Prozent mehr Patienten die Notfallambulanzen auf. Bei den Notarzteinsätzen zeigten sich keine Unterschiede zwischen Pilotregionen und anderen Regionen. Fast alle Notaufnahmen in den Pilotregionen hätten weniger Patienten behandelt, wenn die Portalpraxen geöffnet hatten. In einigen sei die Reduktion aber besonders groß ausgefallen, bis zu 30 Prozent (Klinik Füssen) oder 40 Prozent (Klinikum im Landkreis Erding).

Die Kooperation mit den Fahrdienstleistern für Hausbesuche, so Krombholz, gelinge überwiegend gut. Nur in einem Fall habe ein Fahrdienstleister ausgewechselt werden müssen. Zwar werde die Bereitschaftsdienstreform von verschiedenen Seiten immer wieder kritisiert, konstatierte Krombholz. Mit großer Mehrheit, das zeigten auch die aktuellen Befragungen, würden die neuen Strukturen aber gut angenommen.

"Wir sehen, wie es positiv gelingen kann", so Krombholz. Andernorts gebe es für Probleme mit überfüllten Klinik-Notaufnahmen und der Belastung durch häufige Bereitschaftsdienste für ambulante Ärzte bisher kaum Lösungsansätze. Insofern könne die von Bayern eingeschlagene Richtung als vorbildlich gelten, zog er eine sehr zufriedene Bilanz.

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