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Laumann

Notfallversorgung als Anstoß

Um die ambulante Notfallversorgung zu stemmen, sollen niedergelassene Ärzte und Kliniken in Nordrhein-Westfalen Hand in Hand arbeiten - mit einem gemeinsamen Tresen im Krankenhaus. Gesundheitsminister Laumann will dem Sektorendenken so endgültig den Rücken kehren.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. In Nordrhein-Westfalen soll die ambulante Notfallversorgung bis 2022 regelhaft von niedergelassenen Ärzten und Kliniken gemeinsam organisiert werden, "mit einer Anmeldung und einer Tür im Krankenhaus".

Das kündigte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) beim Frühjahrsempfang der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) in Düsseldorf an. "Dann hätten wir wenigstens in einem Teil des Systems die sektorübergreifende Versorgung."

Die ambulante Notfallversorgung könnte damit nach seiner Ansicht den Anstoß für eine dringend notwendige Weiterentwicklung des Gesundheitssystems geben: weg vom Sektorendenken hin zur Patientenorientierung.

Nicht länger Konkurrenten

Bei der Ausrichtung auf die bessere Versorgung der Patienten sieht Laumann auch innerhalb des stationären Sektors noch Luft nach oben. So dürften sich die Kliniken in einer Region nicht länger als Konkurrenten sehen, sondern müssten verstärkt kooperieren, forderte er.

Laumann will die Investitionsförderung nutzen, um diesem Ziel näher zu kommen. Zwar werden die Krankenhäuser weiterhin Pauschalen erhalten. Die vom Land zusätzlich zur Verfügung gestellten Finanzmittel sollen aber vor allem in die Verbesserung der Strukturen und die Optimierung der Patientenversorgung fließen.

Bei der Krankenhausplanung in NRW soll die Bettenzahl nicht länger die entscheidende Kenngröße sein, Faktoren wie die Strukturqualität, die Personalausstattung und die Fallzahlen werden eine wichtige Rolle spielen. Laumann versprach, dass der Krankenhausplan in einem transparenten Prozess mit nachvollziehbaren Kriterien entstehen soll.

Handlungsbedarf in Altenpflege

Dringenden Handlungsbedarf sieht er bei der Nachwuchsgewinnung in der Pflege. Im Bereich der Altenpflege sei unter seiner Vorgängerin Barbara Steffens (Grüne) schon viel erreicht worden. Jetzt müsse die Krankenpflege aufholen.

Die Krankenhäuser sollten dafür sorgen, dass die Pflegeschulen ihre Kapazitäten erweitern, forderte er. "Wir haben die Zusage der Krankenkassen, dass es an der Finanzierungsfrage nicht scheitern wird."

Zudem seien mehr Pflegepädagogen notwendig. "Wenn es nicht genug mit einem Masterabschluss gibt, dann muss man pragmatische Wege gehen", betonte Laumann. Er will sich auf Bundesebene für eine größere Flexibilität bei diesem Thema einsetzen.

Der Unterstützung von KGNW-Präsident Jochen Brink kann er sich dabei sicher sein. Auch Brink macht sich für eine Absenkung der Qualifikationsanforderungen stark. "Pädagogisch qualifizierte Praxisanleiter und Honorardozenten sollten das Kollegium ergänzen können", sagte er.

Die KGNW werde sich der Initiative von Laumann für mehr Ausbildungsplätze in der Pflege anschließen, kündigte Brink an. Notwendig seien auch "kurzfristige und unbürokratische Verfahren, um von den Bezirksregierungen mehr Ausbildungsplätze an den Schulen anerkannt zu bekommen".

Nicht fehlen durfte auch die Forderung Brinks nach auskömmlichen Investitionsmitteln für die Kliniken, die benötigt werden, um die Zahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen.

Kontrollwut schreckt ab

Nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß, ist im Kampf gegen den Personalnotstand in den Kliniken mehr gefragt als der Ausbau der Ausbildungskapazitäten: "Ärzte und Pflegekräfte dürfen nicht länger einen großen Teil ihrer Arbeit mit Dokumentationen, Kontrollen und der Rechtfertigung ihrer Arbeit verbringen müssen."

Die Kontrollwut habe ein Ausmaß angenommen, das in keinem Verhältnis mehr zu irgendwelchen Missständen stehe, sagte er. "Das schreckt diejenigen ab, die gern eine gute Versorgung leisten würden."

Gaß begrüßte die Absicht der Großen Koalition, dass Tarifsteigerungen in den Krankenhäusern künftig vollständig ausfinanziert werden. "Wir erwarten, dass die Tariffinanzierung nicht nur für die Pflege gilt, sondern für alle Berufsgruppen und alle Tarifkomponenten", betonte er. Zudem müsse die Politik das Thema so regeln, dass das Geld am Ende auch tatsächlich in den Budgets ankomme.

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