Europäischer Notruftag

Nur jeder Zweite kennt die 112!

Die EU zieht eine gemischte Bilanz: In Deutschland weiß nur die Hälfte, wann sie sich an die 112 wenden soll. Woran hapert es bei der Alarmierung des Rettungsdienstes noch?

Von Detlef Drewes Veröffentlicht: 11.02.2020, 13:12 Uhr
Nur jeder Zweite kennt die 112!

Die Notrufnummer 112 gilt in allen 27 Mitgliedstaaten der EU.

© fotokalle / stock.adobe.com

Brüssel. Gut jeder zweite EU-Bürger wählt im Notfall die Notfall-Nummer „112“. Dies hat die Brüsseler EU-Kommission am Dienstag anlässlich des europäischen Notruftags bekannt gegeben. Wirklich zufrieden ist man in der EU-Behörde mit dem Ergebnis aber nicht.

Zwar gingen – dies zeigt die jetzt vorgelegte Bilanz für das Jahr 2019 – insgesamt 2,3 Millionen Notrufe im Roaming-Ausland ein. Dennoch wissen offenbar nur wenige Bürger Bescheid, wohin sie sich wie im Fall eines Unfalls wenden können. Nur 51 Prozent wählten sofort die „112“ für Feuerwehr und Rettungsdienst in Deutschland (Polizei: 110).

Von jedem Ort Alarm in Muttersprache möglich

Das Vergleichsportal Verivox, das ebenfalls eine Erhebung vorstellte, fand sogar heraus: 69 Prozent der Befragten wussten nicht, dass diese Notrufnummer in allen 27 Mitgliedstaaten gilt und dass Anrufer die Möglichkeit haben, einen Alarm in ihrer Muttersprache hinterlassen zu können.

Noch komplizierter wird es offenbar bei der Nutzung von Mobiltelefonen. Nur wenige Nutzer konnten korrekt angeben, wie man die Rettungskräfte alarmieren kann, obwohl ein Handy gesperrt ist (iPhone: fünf Mal die Sperrtaste drücken, dann wählen, Android: Die Notruffunktion muss in den Einstellungen aktiviert werden).

Oft hapert es an Weitergabe des genauen Standorts

Zu einer Schlüsselfrage wird nach den Erkenntnissen der EU-Kommission die Weitergabe des Standorts. Oft seien Anrufer zu nervös, um die notwendigen Angaben zu machen. Dabei soll die sogenannte AML-Technik (Advanced Mobile Location) helfen, die Ende 2019 in Belgien, Estland, Finnland, Irland, Litauen, Malta, Slowenien, den Niederlandens sowie dem Vereinigten Königreich eingeführt wurde. In Deutschland laufen die Vorbereitungen. Sie ist auf Android-Smartphones ab Version 4.0, auf iPhones ab der iOS-Version 13.3. automatisch aktiviert und leitet den Standort an die Rettungsleitstelle weiter.

Der große Nachteil: Die Einsatzkräfte erfahren zwar die Funkzelle, aus der der Notruf kommt, nicht aber den exakten Standort. Deshalb haben 24 Mitgliedsstaaten inzwischen die Möglichkeit geschaffen, per SMS die GPS-Daten als Link weiterzuleiten. Wirklich zufriedenstellend sei diese Lösung noch nicht, hieß es am Dienstag in Brüssel. Denn bei diesem Weg wird die Nachricht bisher nicht an die zuständige Rettungsleitstelle des Gastlandes, die ja dem Anrufer am nächsten ist, geschickt, sondern an die Einsatzkräfte in der Heimat.

Auch in Deutschland soll bundesweite Notruf-App kommen

Die Europäische Union setzt deshalb mehr und mehr auf sogenannte webbasierte Lösungen. Neben AML wollen die Helfer auch in Deutschland eine bundesweite Notruf-App anbieten, die automatisch mit der nächstgelegenen Leitstelle verbindet, die AML-Daten weiterleitet und so eine noch schnellere Hilfe möglich machen wird. Ihre Einführung ist für Mitte 2020 geplant.

Ein weiteres Plus sei die Tatsache, dass Nutzer auch für andere einen Notruf absetzen und deren Standort angeben könnten. Man verspricht sich von dieser Lösung zusätzlich einen Weg für Menschen mit Behinderung sowie der Möglichkeit, Notrufe unauffällig abzusetzen – beispielsweise Bedrohungssituationen, in denen ein Anruf zu viel Aufmerksamkeit erregen würde.

EU lobt Katastrophenwarnsystem

Ausdrücklich lobt die Brüsseler Kommission die zunehmende Verbreitung von öffentlichen Warnsystemen für Katastrophenlagen. In acht Mitgliedstaaten gebe es bereits ortsbezogene SMS für alle Nutzer, sieben Länder der Union setzten auf Cell-Broadcast-Lösungen, 16 Staaten warnen die Bevölkerung mit Sirenen, 14 verbreiten entsprechende Meldungen über Fernseh-, Radio- oder Social Media-Kanäle. Auch in diesem Fall könnten allerdings webbasierte Apps wie „Nina“ oder „Katwarn“ mehr helfen.
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