Public Health

Öffentlicher Gesundheitsdienst muss gestärkt werden

Der G 7-Gipfel hat gezeigt: Gesundheitspolitik ist weltweit Thema. In Deutschland ist Public Health noch unterrepräsentiert, finden Wissenschaftler.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 16.06.2015, 14:40 Uhr
Ein starker Öffentlicher Gesundheitsdienst ist eine Bedingung von Public Health, finden Wissenschaftler.

Ein starker Öffentlicher Gesundheitsdienst ist eine Bedingung von Public Health, finden Wissenschaftler.

© Kay Nietfeld / dpa

BERLIN. Von der globalen Gefahr zunehmender Antibiotika-Resistenzen bis zu den abnehmenden Bildungs- und Gesundheitschancen aufgrund wachsender Kinderarmut in vielen Städten Deutschlands: Gesundheit spielt in den meisten Politikfeldern eine Rolle.

Jetzt schlagen Wissenschaftler Alarm. Der Public Health-Gedanke ist in Deutschland nicht ausreichend stark entwickelt, lautet ihre Botschaft.

Auch in den Gesundheitsberufen fehle es an einem Bewusstsein für die gesellschaftliche und globale Dimension des Handelns Einzelner.

Ein Beispiel: Beim konkreten Umgang der praktischen Medizin mit Antibiotika gebe es "Luft nach oben". Das soll sich perspektivisch ändern.

ÖGD muss attraktiver werden

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften haben sich daher für die gemeinsame Stellungnahme "Public Health in Deutschland - Strukturen, Entwicklungen und globale Herausforderungen" zusammengetan.

Die Weiterentwicklung von Ausbildung, Forschung, der Translation von Forschungsergebnissen und neuer, stärker als heute vernetzter Strukturen sollen die öffentliche Gesundheitsarbeit in Deutschland auf die zügig aufkommende internationale Diskussion über globale Gesundheitsfragen vorbereiten.

Von besonderer Bedeutung sei dabei ein starker Öffentlicher Gesundheitsdienst (ÖGD), sagte Leopoldina-Mitglied Professor Detlev Ganten bei der Vorstellung der Stellungnahme am Dienstag in Berlin.

In vielen Regionen Deutschlands sei der ÖGD jedoch "komplett in der Defensive". Das Berufsbild sei nicht attraktiv und müsse aufgewertet werden.

Professor Günter Stock, Präsident der Union der deutschen Akademien, forderte ein besseres Verständnis von prädiktiver Diagnostik und ihre Umsetzung in der Prävention. Die Gesundheitsberufe müssten sich wandeln und ihre Curricula an die Bedarfe von Public Health anpassen.

Alle Sozialwissenschaften angesprochen

Die Politikwissenschaftlerin Professorin Ilona Kickbusch erinnerte an die historische Bürde der nationalsozialistischen "Volksgesundheit".

In Deutschland habe es daher bei der öffentlichen Gesundheit eine Verlagerung der Macht in die einzelne Arztpraxis und eine dezentrale Organisation gegeben. Steuerfinanzierte Gesundheitssysteme verfügten über stärkere Public Health-Strukturen.

Professor Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina, betonte den "Systemaspekt" der Stellungnahme. Nicht nur die Lebenswissenschaften, sondern alle Sozialwissenschaften seien angesprochen, gesundheitliche Auswirkung von Politik immer mitzudenken.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Global und lokal denken

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