Bundesverband Managed Care

Ökonomie im Gesundheitswesen: Chance anstatt Igitt

Der Bundesverband Managed Care setzt einen Kontrapunkt zur vorschnellen Verurteilung der Ökonomie im Gesundheitswesen. Der Verband betont ihren Mehrwert – und führt drei Beispiele an.

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Der Bundesverband Managed Care betont das Potenzial verhaltensökonomischer Ansätze im Gesundheitswesen. Das Honorieren von Qualität, etwa durch Pay for Performance-Modelle, spielt bisher nur eine untergeordnete Rolle.

Der Bundesverband Managed Care betont das Potenzial verhaltensökonomischer Ansätze im Gesundheitswesen. Das Honorieren von Qualität, etwa durch Pay for Performance-Modelle, spielt bisher nur eine untergeordnete Rolle.

© hafakot / stock.adobe.com

Berlin. Der Bundesverband Managed Care (BMC) löckt in einem Positionspapier wider den Stachel. Ökonomie werde im Gesundheitswesen häufig als Ökonomisierung missverstanden und verteufelt, meint der BMC-Vorstandsvorsitzende Professor Volker Amelung. „Sinnvoll ausgerichtet, kann Ökonomie wichtige Anreize für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung liefern“, so Amelung.

Angesichts enger Finanzierungsspielräume im Zuge der Corona-Pandemie würden „einfältige“ Leistungskürzungen nicht reichen, proklamiert der BMC, dessen rund 230 Mitglieder nach eigenen Angaben fast die „gesamte Bandbreite der Akteure im Gesundheitswesen“ repräsentierten. Nötig sei eine „sinnvolle Allokation von Ressourcen“.

Ordnungspolitischer Rahmen fehlt

Entgegen den häufigen Warnungen vor einer „Ökonomisierung“ fordert der Verband in dem Papier, „mehr Ökonomie“ zu wagen. Denn es fehlten „gesellschaftlich konsentierte Ziele und ein konsequenter ordnungspolitischer Rahmen“, damit ökonomische Anreize zum Vorteil von Patienten und für die Beschäftigten im Gesundheitswesen wirken könnten. Beispielhaft wird das an drei Thesen vorgeführt: (fst)

So sei die Unterscheidbarkeit von Krankenkassen bisher vor allem auf den Zusatzbeitrag reduziert. Versicherte müssten die Chance haben, auch die Qualität des Versorgungsangebots zwischen Kassen vergleichen zu können. Weiterhin böten kontinuierlich erhobene Versorgungsdaten aus der Routinebehandlung die Möglichkeit, mehr über die Therapieoptionen oder den Einsatz von Medizinprodukten oder Arzneimitteln zu erfahren.

Gesundheitspolitik dürfe es nicht bei der Einzelfallregulierung bewenden lassen, sondern müsse „Leitplanken“ im Sinne von Zielen und ordnungspolitischen Rahmenvorgaben definieren. Parallel werde zu viel über den Einstieg eines neuen Produkts in die Versorgung diskutiert und zu wenig über den Marktaustritt von Produkten, die sich nicht bewährt hätten. Als Folge würden, angesichts begrenzter Mittel, Innovationen in der Verbreitung gehindert und überholte Behandlungsmethoden zementiert.

Versorgungsmodelle orientierten sich oft allein an medizinischen Fragen, seien aber nicht an den Lebensrealitäten der Versicherten ausgerichtet. Das Potenzial spielerischer Ansätze wie das sogenannte Nudging – dabei werden Menschen „angestupst“, um eine gesundheitlich erwünschte Handlung zu erreichen – blieben ungenutzt. Als ein weiteres Beispiel für verhaltensökonomische Ansätze werden qualitäts- und ergebnisorientierte Vergütungssysteme angeführt (Pay for Performance).

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Kommentare
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Dr. Thomas Georg Schätzler

Das angeführte weitere Beispiel für verhaltensökonomische Ansätze, in Form von qualitäts- und ergebnisorientierten Vergütungssystemen als "Pay for Performance" apostrophiert, erinnert mich lebhaft an eine Fortbildungsveranstaltung, bei der der Referent, nein, es war nicht Prof. Dr. med. Volker Amelung, sich als besonders weltmännisch, anglophil und wortgewandt gerieren wollte:

Er kürzte mehrfach "Pay for Performance" mit "p for p" ab. Lautmalerisch sprach er von ["pee for pee"]. Das heißt aber im Englischen "Pisse für Pisse" und war ganz bestimmt nicht das, was er tatsächlich meinte.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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