Medizinethik

PID-Debatte: Medizinische Versorgung erleichtert Leben mit Erbkrankheiten

Wie ein Mensch mit einer schweren Erbkrankheit lebt, hängt nicht nur von den Genen ab, sondern auch von der medizinischen Versorgung, sagen Betroffene.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht: 14.06.2011, 18:41 Uhr

BERLIN. Im Vorfeld der Entscheidung des Bundestages zur Präimplantationsdiagnostik (PID) voraussichtlich Ende Juni sprachen sich der Europaabgeordnete Dr. Peter Liese (CDU) und der CDU-Abgeordnete Josef Göppel bei einer Veranstaltung im Reichstag für ein Verbot der PID aus.

In den Staaten der Europäischen Union, die die Präimplantationsdiagnostik zugelassen haben, komme es zu einer stetigen Ausweitung der Indikationen. Designerbabies seien in Ländern wie Großbritannien, Belgien und Frankreich bereits Realität.

"Wir werden Tests für Volkskrankheiten haben", warnte Liese. Herzinfarktgene seien identifiziert. In Frankreich werde auf Merkmale getestet, die nichts mit Erkrankungen zu tun hätten. So würden per PID Knochenmarkspender für ein erkranktes Geschwisterkind erzeugt.

Auch spätmanifeste Erkrankungen fänden sich auf der Liste der Indikationen. Beispiele dafür seien die erblich bedingten Zystenniere, Polypen im Darm (Polyposis coli) und Darmkrebs, die meistens erst nach dem 40. Lebensjahr aufträten. Göppel lebt mit Zystennieren.

Mukoviszidose als Beispiel

Das Beispiel Mukoviszidose zeige, so Liese, wie unterschiedlich Krankheitsverläufe sein können. "Der Gendefekt zeigt nicht, ob man früh stirbt, oder lange mit Qualität lebt", sagte Liese. Mukoviszidose sei die häufigste vererbte Stoffwechselkrankheit der europäischen Bevölkerung, sagten Birgit Dembski und Thomas Kruip, die selbst mit Mukoviszidose leben.

In Deutschland gibt es etwa 8000 Menschen mit dieser Krankheit. Die durchschnittliche Lebenserwartung habe sich von zwölf Monaten im Jahr 1950 auf 37,4 Jahre im Jahr 2007 erhöht. Immer mehr Menschen mit dieser Krankheit erreichten ein höheres Alter.

Kritik äußerten die Betroffenen daran, dass die dem Bundestag vorliegenden Anträge, die die PID in engeren beziehungsweise weiteren Grenzen zulassen wollen, Mukoviszidose als Indikation zulassen beziehungsweise nicht ausdrücklich ausschließen.

Der Antrag von Rene Röspel (SPD) und Priska Hinz (Grüne), der die Diagnostik spätmanifester Erkrankungen ausschließt, soll dahingehend präzisiert werden, dass die Diagnostik von Krankheiten wie die Mukoviszidose ausgeschlossen sei. Dies sollen die Antragsteller zugesagt haben.

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