Auch Zusatzversicherung kein Renner

PKV-Statistik: Vollversicherung wird immer teurer

Private Zusatzversicherungen laufen keineswegs wie geschnitten Brot. Und die Beiträge in der PKV-Vollversicherung sind seit 2015 fast dreimal so stark gestiegen wie die Inflation.

Veröffentlicht:
Privatversicherte mussten im März dieses Jahres im Schnitt 5,3 Prozent mehr für ihren Versicherungsschutz bezahlen als ein Jahr zuvor.

Privatversicherte mussten im März dieses Jahres im Schnitt 5,3 Prozent mehr für ihren Versicherungsschutz bezahlen als ein Jahr zuvor.

© bluedesign - stock.adobe.com

Köln. Private Zusatzversicherungen stehen bei gesetzlich Versicherten offenbar nicht besonders hoch im Kurs. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage hat eine Mehrheit der GKV-Versicherten keine solche Police – und auch nicht vor, in naher Zukunft eine abzuschließen. Im Auftrag der Gothaer Versicherung hatte Forsa Anfang März dieses Jahres 1194 gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren online zum Thema befragt. Von den Teilnehmern hatten 503 mindestens eine private Zusatzversicherung abgeschlossen, 691 hatten keine. Von den GKV-Versicherten ohne Zusatzversicherung planen 83 Prozent auch nicht, daran in absehbarer Zeit etwas zu verändern.

Und welche Gründe sprechen aus ihrer Sicht gegen den Abschluss einer Police? 52 der Prozent Befragten reichen die gesetzlichen Leistungen, 29 Prozent glauben, eine Zusatzversicherung nicht oft genug zu beanspruchen, 25 Prozent ist sie zu teuer. Nur acht Prozent gaben an, kein passendes Angebot gefunden zu haben, 13 Prozent haben sich noch nicht genug mit dem Thema beschäftigt, wollen aber einen Bedarf nicht ausschließen.

Welche Zusatzversicherungen laufen

Von den Kassenpatienten mit Zusatzversicherung haben 77 Prozent eine Zahnzusatzversicherung, 37 Prozent eine stationäre Police und 30 Prozent eine Krankentagegeldversicherung. Mit 29 Prozent sind auch Brillenversicherungen noch vergleichsweise populär. Deutlich weniger Interesse gibt es demnach für ambulante Zusatzversicherungen (sechs Prozent), Heilpraktikerversicherungen (acht Prozent) und auch Pflegezusatzversicherungen (15 Prozent).

Der wichtigste Grund für den Abschluss einer Zusatzpolice ist für die Versicherten, hohe Zuzahlungen vermeiden zu wollen (75 Prozent). 44 Prozent wollen bessere Leistungen in Anspruch nehmen, und 25 Prozent erhoffen sich durch die Police eine bessere Behandlungsqualität.

2021 deutlicher Prämienanstieg

Unterdessen steigen in der privaten Vollversicherung die Beiträge weiter: Wie das Statistische Bundesamt kürzlich mitteilte, mussten Privatversicherte im März dieses Jahres im Schnitt 5,3 Prozent mehr für ihren Versicherungsschutz bezahlen als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen im selben Zeitraum durchschnittlich um 1,7 Prozent. Das Amt verweist auch darauf, dass sich die PKV-Beiträge von Januar 2015 bis März 2021 um 24,7 Prozent erhöht haben, die Verbraucherpreise im selben Zeitraum aber nur um 9,1 Prozent.

Anfang dieses Jahres haben die Prämien in der PKV deutlicher zugelegt als in den Vorjahren. Die Statistiker führen das vor allem auf die Corona-Pandemie zurück. Das ist allerdings erstaunlich, denn die Ausgaben der PKV-Unternehmen haben nach Branchenangaben weniger stark zugelegt als in den Vorjahren – nicht zuletzt, weil die Versicherten aus Angst vor Ansteckung auf Arztbesuche und Behandlungen verzichtet haben. Der PKV-Verband führt als Hauptgrund für die regelmäßigen Beitragsanpassungen steigende Gesundheitskosten an und die dauerhaften Niedrigzinsen. (iss)

Mehr zum Thema

Telematikinfrastruktur

Ärztlicher Widerstand gegen ePA-Sanktionen wächst

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Carsten Windt

Bevor man irgend eine Nachricht schreibt, muss man wissen wovon man spricht.
Grundsätzlich ist es irreführend nur ein Jahr zu betrachten. Dank entsprechender Gesetze sind Beitragsanpassungen in der PKV nur in Sprüngen möglich. Erst wenn die möglichen auslösenden Faktoren einen Grenzwert überschreiten darf angepasst werden. Andere Faktoren etwa die geringere Verzinsung von Anlagen lösen keine Anpassung aus. Diese dürfen erst dann verändert werden wenn sich Sterbetafel oder Leistungsausgaben verändert haben.
Die Garantieverzinsung in der PKV liegt bei 2,5%. Wo findet man am Markt vergleichbares? Diese Verzinsung war einmal 3,5%! Eine Absenkung um 1 Prozent bedeutet aber bereits eine Beitragssteigerung im zweistelligen Bereich! da das Zinsziel ja der Abmilderung der Beiträge im Alter gilt. Wenn man Berücksichtigt , dass die GKV keinen demografischen Faktor hat sind die von Ihnen postulierten 24% Steigerung ein Schnäppchen.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Wie rechnen Ärzte eine Impfung gegen SARS-CoV-2 richtig ab?

Praxistipp

So rechnen Ärzte die Corona-Impfung korrekt ab

Das Gewaltpotenzial steigt während Hitzewellen deutlich – je nach Studie werden an heißen Tagen bis zu 14 Prozent mehr Gewaltverbrechen begangen.

Psychische Folgen des Klimawandels

Von Öko-Angst und Hitzestress