Arbeitsmarkt

Personalzuwächse in der Altenpflege geraten kräftig ins Stocken

Heime und Pflegedienste suchen verzweifelt nach Personal. Zuwächse gibt es zwar – aber im vergangenen Jahr fielen diese deutlich geringer aus, wie aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Viele Altenheime suchen dringend Pflegekräfte. Insgesamt gibt es auch einen Zuwachs bei den Beschäftigten, aber er fällt deutlich geringer aus, als in den Vorjahren.

Viele Altenheime suchen dringend Pflegekräfte. Insgesamt gibt es auch einen Zuwachs bei den Beschäftigten, aber er fällt deutlich geringer aus, als in den Vorjahren.

© Sina Schuldt/dpa

Berlin. Die Personalmisere in der Altenpflege wird Anbieter und Politiker auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Trotz zahlreicher Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen hat die Branche im Pandemie-Jahr 2020 erheblich weniger neue Beschäftigte akquirieren können als in den Vorjahren.

Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf eine Anfrage der Pflegepolitikerin Pia Zimmermann von der Linksfraktion hervor. Die Zahlen liegen der „Ärzte Zeitung“ vor.

Demnach waren in der Altenpflege Ende 2020 rund 629.000 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren etwa 10.000 beziehungsweise 1,6 Prozent mehr als Ende 2019. Zum Vergleich: 2019 hatte der Zuwachs an Beschäftigten noch bei gut 3,1 Prozent (plus 18.736) gelegen. 2018 waren es sogar knapp 3,3 Prozent (plus 19.040).

Delle bei Zuwächsen alarmierend

Die Zahl der Beschäftigten in der Alten- und Krankenpflege wachse – gemessen an der Beschäftigung insgesamt – seit Jahren überdurchschnittlich stark an, erklärte Zimmermann. Entscheidend sei aber, dass die Zuwächse an Personalmangel und Arbeitsbelastung bislang nichts hätten ändern können. Ein Rückgang bei den Zuwächsen sei daher bereits ein „alarmierendes Zeichen“.

Versuche der Politik, der Misere entgegenzuwirken, hätten bestenfalls „mäßigen Erfolg“ erzielt, so Zimmermann. So habe das im Januar 2019 gestartete Programm für 13.000 zusätzliche Stellen in Einrichtungen der Altenpflege dort bislang nur zu etwa 3000 Vollzeitstellen geführt. Diese verteilten sich auf rund 4300 Pflegekräfte, teilte die Linkenpolitikerin unter Verweis auf Angaben des GKV-Spitzenverbands mit.

„Gehalts-Gap“ bremst Beschäftigunsdynamik

Der vergleichende Blick auf die Entwicklung in der Krankenpflege mit stabil bleibenden beziehungsweise an Dynamik gewinnenden Zuwächsen deute darauf hin, dass die coronabedingten Belastungen nicht der alleinige Grund für den Wachstumseinbruch in der Altenpflege seien, so Zimmermann. Laut Zahlen der BA konnte die Krankenpflege auch im Corona-Jahr 2020 einen Zuwachs an Beschäftigten verzeichnen. Konkret betrug das Plus 3,2 Prozent – nach 2,6 Prozent und 1,7 Prozent in den beiden Vorjahren.

Ursächlich für die unterschiedliche Beschäftigungsentwicklung in der Alten- und der Krankenpflege ist laut Linksfraktion auch die Spreizung bei den Gehältern. Ein Blick in die Länder erhärte den Eindruck. Von den sieben Bundesländern, die im Jahr 2020 bei den sozialversicherungspflichtig Altenpflegebeschäftigten ein unterdurchschnittliches Wachstum hatten, wiesen sechs Länder beim „Gehalts-Gap“ für Fachkräfte in der Alten- und Krankenpflege überdurchschnittliche Werte auf.

Dies, so Zimmermann, deute darauf hin, dass in Ländern mit hohen Gehaltsunterschieden das Beschäftigungswachstum in der Altenpflege besonders gebremst werde. Im Saarland habe die Lücke beim Einkommen bereits zu einem Rückgang der Anzahl der Beschäftigten geführt.

Halbe Million Pflegekräfte geht bald in Rente

Die Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), Professor Christel Bienstein, sagte, aus den Zahlen ließen sich zwar noch nicht abschließend die Gründe für den geringeren Zuwachs an Beschäftigten in der Langzeitpflege ableiten. „Aber klar ist, dass es mit den bisherigen politischen Maßnahmen nicht gelingt, dem seit Jahren bestehenden Personalmangel in der Langzeitpflege etwas entgegenzusetzen“, sagte Bienstein der „Ärzte Zeitung“ am Dienstag.

Ein Grund seien „sicher“ auch die im Vergleich zur Krankenhauspflege niedrigeren Gehälter, sagte Bienstein. „Hier muss dringend eine Angleichung geschaffen werden.“ Der Handlungsdruck wachse in jeden Fall. Allein in den nächsten zehn bis zwölf Jahren gingen rund 500.000 Kolleginnen und Kollegen aus den Pflegeberufen in Rente.

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