Telematik

Pflege fädelt auf die Datenautobahn ein

Am Freitag beginnt der Kongress Pflege 2015 von Springer Medizin. Bei der Auftaktpressekonferenz sendeten Vertreter der Pflegeberufe positive Signale aus: Auch ihr Berufsstand benötigt eine Spur auf der Datenautobahn.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Volles Podium bei der Auftaktpressekonferenz. Staatssekretär Karl-Josef Laumann (3.v.l.) und "Ärzte Zeitung"-Chefredakteur Wolfgang van den Bergh im Gespräch.

Volles Podium bei der Auftaktpressekonferenz. Staatssekretär Karl-Josef Laumann (3.v.l.) und "Ärzte Zeitung"-Chefredakteur Wolfgang van den Bergh im Gespräch.

© @sera.cakal

BERLIN. Eine Milliarde Euro haben die gesetzlichen Krankenkassen bislang in das Projekt "Elektronische Gesundheitskarte" gesteckt.

Aus Sicht der Regierung fällt die Rendite schmal aus: "Für die Anwendung beim Patienten stehen wir bei Null", beklagte der Patientenbeauftragte und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag in Berlin.

Union und SPD hatten bereits im Koalitionsvertrag verabredet, in dieser Legislaturperiode nutzbringende Anwendungen auf der Karte unterzubringen. Vor wenigen Tagen hat die Regierung das Vorhaben angestoßen.

Der Referentenentwurf eines E-Health-Gesetzes liegt vor. Klare Fristen für die Umsetzung einzelner Entwicklungsschritte und Anreize für Ärzte sollen das Projekt aus dem Stillstand befreien.

Die Zeit drängt

Die Zeit drängt. Obwohl bislang noch nicht einmal die Ärzte etwas mit der Karte anfangen können, außer sie als Versicherungsnachweis der Patienten zu nutzen, melden weitere Sektoren bereits Interesse an, auf der Datenautobahn mitzufahren.

Ein zentrales System, an dem auch die stationäre und ambulante Pflege beteiligt sein müsse, sei dringend nötig, sagte die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hedwig François-Kettner, am Donnerstag bei der Auftaktpressekonferenz des Kongresses "Pflege 2015" von Springer Medizin.

Aber auch in der Pflege gibt es strukturelle Widerstände. Die fehlende Verkammerung verzögere den Zugang von Pflege zur telematischen Infrastruktur, sagte François-Kettner.

Technisch steht der Durchbruch unmittelbar bevor. Pflegeheime könnten schon bald von den Möglichkeiten des elektronischen Austausches von Patientendaten profitieren, sagte Professor Arno Elmer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Telematikanwendungen.

"Ab Mitte 2016 ist das System technisch erprobt. Jede Organisation könnte sich einklinken", sagte Elmer.

Millionen Euro Einsparungen möglich

Das kann zu der erwarteten Rendite für das Gesundheitssystem führen. Von Millionen Euro Einsparungen berichtete Hausärztin Irmgard Landgraf, die in Eigeninitiative eine elektronische Dokumentation und Kommunikation mit dem von ihr betreuten Pflegeheim auf die Beine gestellt hat.

Die mit Versichertengeld finanzierte Infrastruktur müsse endlich Früchte tragen, forderte Gabriela Leyh von der Barmer GEK. Die Ärzte müssten sich öffentlich dazu bekennen, die Telematikinfrastruktur nutzbringend einzusetzen.

Die Diskussion über die die elektronische Karte sei stark von Glaubenssätzen geprägt, sagte Susanne Mauersberg vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Das - auch von Ärzten eingesetzte - Argument, die Sicherheit der Patientendaten sei in Gefahr, sei oft nur vorgeschoben.

Mehr zum Thema

Vergleich von elf Industriestaaten

Senioren in Deutschland kommen gut durch Corona-Pandemie

Rückblick 2012

Daniel Bahr kommt mit einer zaghaften Pflegereform

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Digitaler Impfnachweis: Schwangere ab dem 2.Trimenon gehören jetzt offiziell zu den Zielgruppen für die COVID-Impfung.

© gpointstudio / stock.adobe.com

STIKO-Empfehlung

So sollten Schwangere gegen COVID-19 geimpft werden

„Wenn eine Impfpflicht nicht gewollt ist – und ich will sie auch nicht –, dann gibt es politisch nur eine Alternative: Die Aufhebung aller staatlich veranlassten Restriktionen“: KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister.

© Stepanie Pilick / Springer Medizin Verlag

Vertreterversammlung

KBV-Vorstand fordert: Alle staatlichen Corona-Maßnahmen aufheben!

In der Rheuma-Therapie geht es zunehmend um sehr personalisierte Therapiekonzepte, die rasch komplex und anspruchsvoll werden können.

© Iuliia / stock.adobe.com

DGRh-Kongress

Immer komplexere Rheuma-Versorgung ist der Preis des Erfolgs