Gutachten

Pharma in Bayern fühlt sich besonders belastet

Die Kostendämpfungsinstrumente treffen vor allem forschungsorientierte Hersteller in Bayern, die im Inlandsgeschäft stark sind, geht aus einer Studie hervor. Nötig sei es, das Gesundheitswesen weniger als "geschlossenes System" zu sehen, hieß es.

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MÜNCHEN. Die Pharmazeutische Industrie in Bayern wird durch die Kostendämpfungspolitik des Bundes überproportional belastet. Das hat ein Gutachten des BASYS-Instituts aus Augsburg ergeben, das kürzlich in München vorgestellt worden ist.

Der Grund für die höhere Belastung: Die Pharmaindustrie ist im Freistaat stärker inlandsorientiert als in anderen Bundesländern. In den vergangenen vier Jahren seien deshalb in Bayern 2400 Arbeitsplätze in der Pharmazeutischen Industrie sowie 15.700 Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft verloren gegangen.

Als Konsequenz aus den Ergebnissen der BASYS-Studie forderten Hanspeter Quodt von MSD Sharp & Dohme und Dr. Sang-Jin Pak von GlaxoSmithKline ein "freundlicheres Innovationsklima".

Weitere Eingriffe in die Preissetzung von Arzneimittelinnovationen müssten verhindert werden. Und vor dem Hintergrund der Globalisierung müsse auch über den Ausbau einer steuerlichen Förderung von Forschung nachgedacht werden.

Um den Pharmastandort Bayern zu stärken, haben sich zehn im Freistaat ansässige forschende Arzneimittelhersteller zur "Pharmainitiative Bayern" zusammengeschlossen. Unterstützt wird die Initiative vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) und dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa).

Mehr Schaden als Nutzen

In der BASYS-Studie, in der die gesundheitswirtschaftliche Bedeutung der Pharmazeutischen Industrie in Bayern untersucht wurde, kommen die Augsburger Wissenschaftler zum Ergebnis, dass Bayern zwar eine starke Pharmazeutische Industrie hat, dass jedoch bestehende Wachstumspotenziale verschenkt werden. Vor allem bei der Förderung der klinischen Forschung gebe es erheblichen Nachholbedarf.

So liege Bayern bei den Ausgaben der Hochschulen für medizinische Forschung je Einwohner zwar über dem Bundesdurchschnitt, bei den klinischen Studien rangiere München als einzige Stadt in Bayern hingegen nur auf dem fünften Platz. Bayern verfüge über genügend noch ungenutztes Potenzial, um die Forschung auszubauen, hieß es.

Hinderlich seien die Kostendämpfungsgesetze, die zur Folge hatten, dass in den Jahren 2010 bis 2013 bundesweit mehr als 3,6 Milliarden Euro weniger für die Pharmaforschung ausgegeben wurden, als ursprünglich geplant.

Da sich eine sinkende Nachfrage nicht nur auf die Pharmaindustrie, sondern auch auf andere Branchen auswirkt, habe die Kostendämpfung insgesamt gesehen mehr geschadet als genutzt. Den Überschüssen in der GKV stünden Einnahmeverluste in der Wirtschaft sowie bei den Kommunen gegenüber.

Bayerns ehemalige Sozialministerin Christa Stewens (CSU) begrüßte die Studie. Das Gesundheitswesen werde von den Politikern immer noch als ein geschlossenes System betrachtet.

Notwendig seien daher Instrumentarien, die die Auswirkungen von Gesetzen verifizieren und transparent darstellen. Dazu leiste die Studie einen wichtigen Beitrag, erklärte Stewens. (sto)

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