Arzneimittelpolitik

Pharmahersteller drängen auf Direktverträge mit Kassen

Die Arzneimittelhersteller frohlocken: Der Koalitionsvertrag von Union und FDP beinhaltet wichtige Impulse für die Gesundheitsbranche, finden sie.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:

BERLIN. Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) sieht im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung einen "wichtigen Perspektivwechsel" in der Gesundheitspolitik eingeleitet. "Wie nie zuvor wird berücksichtigt, dass die Gesundheitswirtschaft und explizit auch die pharmazeutische Industrie Träger von Wachstum und Beschäftigung sind", erklärte VFA-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer am Dienstag vor Journalisten in Berlin.

Pharmaunternehmen am Standort Deutschland investierten jedes Jahr "Rekordsummen" in die Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente. Neue medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten nützten aber nur dann etwas, wenn sie möglichst vielen Menschen zu Gute kämen, sagte Yzer. Um dies sicherzustellen, würden die Hersteller verstärkt auf Versorgungsverträge mit den Krankenkassen setzen. In ihrem Koalitionsvertrag würden sich Union und FDP ausdrücklich zu diesem Instrument bekennen, sagte Yzer. Bislang stünden den Verträgen aber "zahlreiche Reglementierungen" entgegen. Diese müssten von der neuen Regierungskoalition schnellstens beseitigt werden, forderte Yzer, denn: "Wer Verträge will, muss konterkarierende Regelungen abbauen."

Ein erster Deregulierungsschritt wäre etwa die Streichung der Festbeträge der Stufe 1 - das heißt für Arzneimittel mit denselben Wirkstoffen. "Die haben sich als überflüssig erwiesen", sagte Yzer. Außerdem sollten Ärzte von ihrer ökonomischen Verantwortung im Arzneimittelsektor entbunden werden und bei der Verordnung allein der Wirksamkeit und Sicherheit verpflichtet sein. "Entsprechend sollte eine Freistellung des Arztes von der Wirtschaftlichkeitsprüfung erfolgen."

Ausdrücklich bekannte sich Yzer zur Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Arzneimittel. "Wir stehen zur Kosten-Nutzen-Bewertung - sie muss aber transparent sein und nach einem internationalen wissenschaftlichen Standard erfolgen." Das abschließende Methodenpapier des für Kosten-Nutzen-Bewertung zuständigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) werde diesem Anspruch nicht gerecht, sagte Yzer.

Das IQWiG hatte erst vor wenigen Tagen seine endgültige Methodik für eine Kosten-Nutzen-Bewertung ausgearbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt (wir berichteten).

Yzer erklärte dazu, das neue Methodenpapier unterscheide sich nicht wesentlich vom alten. Da im Koalitionsvertrag eine Überprüfung der Arbeit des Instituts angekündigt sei, gehe sie aber davon aus, dass die Methodik erneut nachgebessert werde, sagte Yzer.

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