Studie

Probleme in der Pflege sind international

Eine Vergleichsstudie zeigt: Pflegekräfte arbeiten auch in anderen Ländern oft am Limit.

Veröffentlicht: 08.08.2018, 05:21 Uhr
Probleme in der Pflege sind international

Auch in anderen Nationen gilt: Wer sein Arbeitsleben der Hilfe für pflegebedürftige Menschen verschreibt, arbeitet meistens hart.

© Romolo Tavani / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Zeitdruck, Erschöpfung, prekäre Arbeitsverhältnisse. Die Probleme von Altenpflegekräften sind offenbar international. Das zeigt eine internationale Vergleichsstudie, die von der Hans-Böckler Stiftung gefördert wurde.

Das Basisjahr für die Befragung für Deutschland war das Jahr 2010. Verglichen wurden dabei die Arbeitssituationen in Deutschland, Schweden und Japan.

Zwischen diesen drei Ländern gibt es in der Altenpflege manche Gemeinsamkeiten, aber auch gravierende Unterschiede. So haben nach Angaben der Studienautoren alle drei Länder Systeme eingeführt, die das Pflegerisiko für die Bevölkerung absichert.

Auch habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine "marktorientierte Restrukturierung" der Altenpflege" stattgefunden. Konkurrenz zwischen den Anbietern sei gefördert worden, Managementtechniken der Privatwirtschaft übernommen, die Finanzierung auf festgelegte Preise für klar definierte Dienstleistungen umgestellt worden.

Unter hohem Zeitdruck leiden die Altenpflegekräfte offenbar in Deutschland am häufigsten. So berichten 54 Prozent der ambulanten Pflegekräfte in Deutschland von regelmäßigem Zeitdruck, in Schweden sind es 37 Prozent in Japan 35 Prozent. Wöchentliche Überstunden fallen bei mehr als jeder zweiten deutschen Pflegekraft (52 Prozent) an, bei etwas mehr als einem Viertel der Japaner (28 Prozent) in Schweden sind es dagegen nur 13 Prozent.

Pflegeeinrichtungen noch stärker betroffen

Noch schwieriger ist die Situation in den Pflegeheimen: Hier klagen sogar 73 Prozent der Deutschen über Zeitmangel, 53 Prozent der Japaner und 40 Prozent der Schweden.

Unterschiedlich sind die Aufgaben der Pflegekräfte. So haben in Japan nur 15 bis 20 Prozent der Beschäftigten in der Altenpflege einen Gestaltungsspielraum. In Deutschland und Schweden liegt dieser Anteil bei 40 bis 50 Prozent.

Die Behandlungspflege, wie zum Beispiel das Verabreichen von Injektionen, gehört in Deutschland für 62 Prozent zum Arbeitsalltag, in Schweden bei 36 Prozent, in Japan nehmen diese Aufgaben spezielle medizinische Dienstleister wahr.

Wegen der schwierigen Arbeitsbedingungen in der Pflege denken offenbar viele Kräfte über einen Berufswechsel nach. Der Anteil der Wechselwilligen beträgt nach Angaben der Studienautoren um die Professorin Hildegard Theobald etwa 30 Prozent unter den ambulanten Pflegemitarbeitern in Deutschland bis zu 56 Prozent in den japanischen Heimen.

Geschlechterunterschiede zwischen den Nationen

Interessant ist, dass in Japan deutlich mehr Männer in der Pflege arbeiten als in Deutschland und Schweden. Liegt der Frauenanteil in den europäischen Ländern bei 90 Prozent, so sind in Japan 35 Prozent der Stellen im stationären Bereich mit Männern besetzt.

Die Arbeitsbedingungen seien insofern typisch "männlich", da es fast nur Vollzeitjobs gebe und das Qualifikationsniveau höher sei als im ambulanten Sektor, heißt es.

Für die Untersuchung wurden Befragungsdaten aus den Jahren 2005 bis 2012 erfasst, die sich auf 2500 Beschäftigte beziehen. Zusätzlich flossen Ergebnisse der amtlichen Statistik in die Studie ein. (chb)

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