Berufspolitik

Prothesen, Salpeter und Co: Besseres Monitoring bei Vergiftungen

Salpetersäure, Rotbuschtee und Endoprothesen aus Metall - alle drei haben gemeinsam, dass sie wichtig und wertvoll sind, aber auch giftig sein können. Damit die Bürger in Deutschland künftig besser vor Vergiftungen mit diesen Substanzen geschützt sind, will das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) das Monitoring verbessern.

Veröffentlicht: 11.05.2012, 14:43 Uhr
Prothesen, Salpeter und Co: Besseres Monitoring bei Vergiftungen

Wieviele Vergiftungen durch Metallendoprothesen es gibt, ist nicht bekannt.

© Nicolas Larento / fotolia.com

ERFURT (nös). "Wer kann heute sagen, wie viele Vergiftungen es durch Hüftgelenke gibt?", fragte Dr. Axel Hahn von der BfR-Kommission für Vergiftungen am Freitag (10. Mai) beim Wissenschaftlichen Kongress des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) in Erfurt.

Damit es künftig Antworten darauf gibt, will das BfR nun die Daten der Giftnotrufzentralen über diese Fälle zusammentragen.

Bereits heute gibt es in Deutschland eine umfangreiche Rezepturdatenbank am BfR, in der etwa die Zusammensetzungen von Lebensmitteln hinterlegt sind. Seit einigen Jahren sind Hersteller verpflichtet, die Zusammensetzungen ihrer Produkte dort zu veröffentlichen. "Nur die Rezeptur von Coca-Cola haben wir nicht", sagte Hahn.

In Deutschland sind bis zu 150.000 Produkte auf dem Markt

Deutschlandweit gebe es immerhin über zehn Millionen verschiedene Rezepturen, von denen jeweils zwischen 100.000 und 150.000 auf dem Markt seien. Hahn: "Jedes Produkt enthält im Durchschnitt rund 40 verschiedene Inhaltsstoffe." Eine Herausforderung für die Risikobewertung.

Am Beispiel Salpetersäure machte Hahn deutlich, wie die Risikobewertung für den Verbraucherschutz wirkt: Jahrelang waren Reinigungsmittel im Handel, die 25-prozentige Salpetersäure enthielten. "Die haben zwar gut gereinigt, aber auch zu schweren Verätzungen geführt." Und: "Auch für Bombenbauer eine schöne Sache, wenn sie im Supermarkt Salpetersäure für 2,50 Euro bekommen."

Das BfR will auch die Liste giftiger Pflanzen überarbeiten, noch in diesem Jahr soll eine aktualisierte Version erscheinen, die auf der Auswertung der Daten von 200.000 Vergiftungen bei Kindern beruht.

Begriff "Vergiftung" wird überdacht

Die Bezeichnung Vergiftung wird unter Experten aber auch kritisch gesehen. Der Bonner Hygieniker Professor Martin Exner warnte in Erfurt davor, Gifte nur einseitig auf ihre Schädlichkeit zu reduzieren.

Er sprach Biozide an, die in Klinik und Praxis schlicht Infektionskrankheiten vermeiden sollen. Exner: "Wir haben Patienten verloren, weil die Desinfektion ausgelassen wurde." Man müsse immer auch auf die positiven Effekte hinweisen.

Hahn pflichtete ihm bei: "Der Begriff Vergiftung wird oft falsch eingeschätzt." Deswegen denke man in seiner BfR-Kommission auch darüber nach, deren Namen zu ändern.

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