Hamburger Modellversuch

Psychisch gesund mit umfassender Beratung

Die vor 18 Monaten eröffnete Beratungsstelle "Perspektive Arbeit und Gesundheit" für psychisch Erkrankte in Hamburg stößt auf viel Resonanz. Auffällig ist die hohe Anzahl von Mitarbeitern aus Gesundheitsberufen, die dort Rat suchen.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Wenn der Job zur Belastung wird, kann sich das auf die Psyche auswirken – und krank machen.

Wenn der Job zur Belastung wird, kann sich das auf die Psyche auswirken – und krank machen.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

HAMBURG. Psychische Erkrankungen sind immer häufiger Grund für eine Arbeitsunfähigkeit. Hamburg hat auf diese Entwicklung mit einem niedrigschwelligen und kostenlosen Angebot reagiert, das Betroffenen Rat bietet. Ein erstes Fazit zur Halbzeit des dreijährigen Modellversuchs fällt positiv aus.

Die Anlaufstelle unter dem Namen "Perspektive Arbeit und Gesundheit" (PAG) bietet in der Hamburger Sternschanze eine orientierende Erstberatung, in der die persönliche oder die allgemeine betriebliche Belastungssituation geklärt wird und Problemlösungen aufgezeigt werden.

Arbeitsbedingungen und soziale Beziehungen im Fokus

Nach 18 Monaten verzeichnet die PAG insgesamt 820 Beratungskontakte. 206 Beschäftigte und 112 betriebliche Akteure nutzten das Angebot, um sich Tipps zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz zu holen. 70 Prozent der Beschäftigten und 16 Prozent der betrieblichen Akteure empfahl die PAG eine weiterführende Stelle, die konkrete Hilfe leisten kann.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass betriebliche Funktionsträger vor allem Rat zur systematischen Beurteilung von Arbeitsbedingungen suchen. Für die Beschäftigten stehen dagegen Probleme in den sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz im Vordergrund.

Für beide Gruppen spielt auch die Frage der Beschäftigungsfähigkeit eine prominente Rolle in der Beratung.

Auffällig ist der hohe Anteil an Ratsuchenden aus dem Gesundheits- und Sozialwesen. Jeweils mehr als ein Viertel der ratsuchenden Beschäftigten als auch der Funktionsträger aus den Unternehmen stammen aus diesem Bereich. 70 Prozent der Nutzer sind weiblich.

Die meisten finden den Weg zur PAG durch Akteure im Gesundheitswesen wie etwa Ärzte. Die Ergebnisse einer anonymen Befragung zeigen, dass die ratsuchenden Beschäftigten die Beratung als sehr hilfreich empfinden.

Ziel schon jetzt erreicht?

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sieht angesichts der bisherigen Ergebnisse das Ziel der PAG, eine präventive und orientierende Erstberatung zur Klärung weiterer Schritte und eine qualifizierte Weitervermittlung zu leisten, als erreicht an.

"Die Beratungen zeigen, dass Fragen der Beschäftigungsfähigkeit vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftebedarfs in Unternehmen eine wichtige Rolle spielen", sagte Prüfer-Storcks.

Das von ihrer Behörde finanzierte Projekt wird vom Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und maritime Medizin wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse der Evaluation sollen für die Umsetzung des Modellvorhabens in ein Regelangebot genutzt werden. Die Behörde will dann weitere Träger zur Unterstützung ins Boot holen.

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