In eigener Sache

Rainer Vollmer, unser Mann in Bonn, ist tot

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"Die Lüge ist klein, dick und trägt Fliege. Dort sitzt sie: die Lüge." Diese Verbalinjurie des Staatssekretärs im Bundesarbeitsministerium Karl Jung, des eigentlichen Vaters der Pflegeversicherung, vor einem großen Bonner Publikum, machte eine Dauerfehde zwischen Norbert Blüms Spitzenbeamten und Rainer Vollmer, dem Bonner Chefkorrespondenten der "Ärzte Zeitung" prominent. Beide Dickschädel par excellence. Nun ist Rainer Vollmer, wie wir erst jetzt erfahren haben, am 5. Januar auf seinem Altersruhesitz am ungarischen Balatonsee gestorben.

Rainer Vollmer wurde am 1. Oktober 1940 in Lüdenscheid geboren. Das ist tiefstes Sauerland. Die Menschen sind für ihre Bodenständigkeit bekannt. Nach dem Realschulabschluss macht er eine Schriftsetzerlehre und schließt ein Redaktionsvolontariat an.

Anfang der 1960er Jahre kein seltener Weg in den Journalismus. Danach steigt er bis zum Nachrichtenchef der "Recklinghäuser Zeitung" auf.

Als am 27. Mai 1971 um 21.12 Uhr bei einem Zugunglück in Radevormwald bei Wuppertal 46 Menschen, darunter viele Kinder, sterben, hält Vollmer die komplette Rotation der Zeitungsproduktion an - und tauscht den Seite 1-Aufmacher gegen die Katastrophennachricht, auf eigene Verantwortung, ohne Rückfrage bei der Verlegerin Annemie Bauer. Seine Zeitung ist bundesweit die erste und einzige, die darüber am nächsten Tag berichtet.

1972 übernimmt Vollmer die Öffentlichkeitsarbeit des IKK-Bundesverbandes und wechselt 1979 zum PKV-Verband. Daneben macht das FDP-Mitglied kommunalpolitische Karriere und ist zeitweilig stellvertretender Landrat im Bergischen Land. Den Rest des Lebens bestimmen aber Gesundheits- und Sozialpolitik.

Ein Einschnitt ist der Wechsel in die Freiberuflichkeit - und hier treffen 1983 Vollmer und die im Vorjahr gegründete "Ärzte Zeitung" zusammen. Vollmer wird unser Chefkorrespondent in der Bundeshauptstadt. Das erste Domizil: eine Dachstube in der Welckerstraße, spärlichst möbliert.

Die Technik: Gabriele-Schreibmaschine, Telefon, Fax. Wenige Jahre später beschäftigte Vollmer drei Redakteure, ist Herausgeber des "Gelben Dienstes" und einer der sozialpolitischen Platzhirsche.

Mit Karl Jung verband ihn eine Hassliebe, mit Horst Seehofer, dem Bundesgesundheitsminister von 1991 bis 1998, und dem damaligen Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses Dieter Thomae ein fast freundschaftliches Verhältnis. Was den Machtwechsel zu Rot-Grün im Herbst 1998 für Vollmer zu einer Herausforderung werden ließ.

1999 gingen die Regierungslichter am Rhein aus - auch Vollmer zog an die Spree. Noch ein Neustart für den Selfmade-Man und so eigentlich nicht geplant.

Längst hatte sich Vollmer einen neue Heimat gesucht: am Balatonsee. Hierhin verabschiedete er sich 2004, und dort ist er, der Vollblut-Journalist alten Schlages, jetzt gestorben. (HL)

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