ePA-Plattformen

KI und neue Anbieter sollen die ePA voranbringen

Es kommt Bewegung in den Markt der ePA-Plattformen. Waren es bisher zwei Unternehmen, stehen zwei weitere in den Startlöchern.

Veröffentlicht:
Bild einer digitalen Akte, im Hintergrund erkennt man ein Stethoskop.

Der Markt der ePA-Plattformen ist in Bewegung.

© [M] BillionPhotos.com / stock.ad

Berlin. Die Deutsche Telekom geht mit einer eigenen elektronischen Patientenakte (ePA) ins Rennen. Mehrere Krankenkassen orientieren sich neu. Es kommt Bewegung in einen von vielen als statisch empfundenen Markt.

Aktuell gibt es zwei von der gematik zugelassene ePA-Plattformen. Eine ist von IBM, sie liegt u.a. der ePA von Techniker Krankenkasse und BARMER zugrunde.

Die zweite ePA-Plattform kommt von den Unternehmen Bitmarck und RISE, sie steckt in der DAK-ePA, in den ePAs einiger anderer Ersatzkassen und in den ePAs der Betriebs- und Innungskrankenkassen.

Eine Sonderstellung nimmt die AOK ein, hier hat Ernst & Young (EY) die Federführung, das Unternehmen nutzt aber die IBM-Plattform.

Einiges könnte sich bald ändern. Anlässlich des 4. Future Health Day kündigte Gottfried Ludewig, Public Sector-Chef der Deutschen Telekom an, dass sein Unternehmen jetzt eine eigene ePA anbieten werde. Die Entwicklung sei weit fortgeschritten, rund 80 % seien bereits fertig. Als nächstes steht dann irgendwann die Zulassung durch die gematik an. Termine dafür gibt es noch nicht.

Unzufriedenheit mit Funktionsumfang der ePA

Brandaktuell ist das deswegen, weil die beiden großen Ersatzkassen, Techniker Krankenkasse (TK) und BARMER, wahrscheinlich ihre ePA in den nächsten Monaten neu ausschreiben werden. Das geschehe ohnehin zyklisch, heißt es, aber tatsächlich könnte es mehr als Routine sein.

Es gibt viel Unzufriedenheit im Markt mit dem Funktionsumfang der aktuellen ePAs. Mit den Neuausschreibungen öffnet sich ein Fenster für neue Anbieter.

Auch bei der AOK-ePA gibt es Bewegung. Zwar soll hier, wie heise.de kürzlich berichtete, weiterhin EY zuständig sein, der Technikpartner soll aber wechseln.

In der Branche wird spekuliert, dass sich der Cloud-Anbieter Stackit hier engagieren könnte – das hat aber noch niemand bestätigt. In jedem Fall dürften absehbar wenigstens vier statt bisher zwei ePA-Technikplattformen zur Verfügung stehen, es wird also mehr Wettbewerb geben.

Seitens des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) scheint man das nicht ungern zu sehen: „Wir freuen uns immer, wenn zusätzliche Player in den ePA-Markt drängen. Das zeigt, dass das ein Erfolgsprojekt ist“, sagte der Abteilungsleiter Digitalisierung im BMG, Philipp Müller.

Ludewig hingegen begründete das Engagement der Telekom bei der ePA eher mit den offensichtlichen Defiziten der aktuellen Lösung.

Versorgungsprozesse digital in ePA hinterlegen

Die derzeitigen Anbieter beschränkten sich weitgehend darauf, die Spezifikationen der gematik umzusetzen. Das sei zu wenig, so der Telekom-Manager, der unter Jens Spahn einst selbst die Abteilung Digitalisierung im BMG geleitet hatte.

Was Ludewig und der Telekom vorschwebt, ist eine ePA, die Daten aus unterschiedlichen Quellen nicht einfach nur sammelt, sondern sie intelligent zusammenführt, auch mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI).

Zudem sollen typische Versorgungsprozesse, etwa der Hilfsmittelprozess, digital in der ePA hinterlegt werden. Ob das im Rahmen der derzeitigen Regularien möglich ist, ist eine der Fragen der nächsten Monate.

Bisher wird in Sachen neuer ePA-Funktionen in vielen Fällen brav auf den Gesetzgeber gewartet. Und der spielt das Spiel mit: So findet sich im Entwurf des Gesundheitsdigitalisierungsgesetzes (GeDIG) eine Verpflichtung der Krankenkassen, eine digitale Impfübersicht in der ePA auf Basis von Abrechnungsdaten anzubieten.

Das ist aller Ehren wert, aber warum es dazu einen gesetzlichen Auftrag braucht, erschließt sich nicht so richtig. Tatsächlich gehen einzelne Krankenkassen punktuell über die gematik-Spezifikation hinaus.

So berichtete AOK connect Chef Kornell Adolph bei der Telekom-Veranstaltung in Berlin von einer Erweiterung der Medikationsfunktionen in der AOK-ePA dahingehend, dass für die eigenen Medikamente Beipackzettel in patientenfreundlicher Kurzform abrufbar sind.

Das ist zumindest ein Anfang, aber es dient natürlich „nur“ der Information. Die Musik wird bei Anwendungen spielen, die die medizinische Versorgung unmittelbar voranbringen. Erst wenn es so etwas gibt, werden ePA-Apps in nennenswerter Zahl genutzt werden. (gvg)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

© Springer Medizin Verlag

Unternehmen im Fokus

Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

α-Synuclein-Abbau fördern

Parkinson: Wieso guter Schlaf besonders präventiv wirkt

Lesetipps
ein medizinisches Kreuz zwischen zwei Händen

© Vital Stock / Generated with AI / Stock.adobe.com (KI-generiert)

Tipps zur Übergabe

Verkauf geplant? So steigern Sie den Wert Ihrer Praxis