AMNOG

Regierung gegen Ad hoc-Reform

Trotz hoher Ausgaben für neue Medikamente will die Regierung zurzeit keine Revision des AMNOG.

Veröffentlicht: 30.09.2014, 12:42 Uhr

BERLIN. Im Streit um das als "1000 Dollar-Pille" titulierte Hepatitis C-Präparat Sofosbuvir (Sovaldi®) lehnt die Bundesregierung schnelle Korrekturen ab.

Das Verfahren der frühen Nutzenbewertung, bei dem die Preisgestaltung des Herstellers im ersten Jahr nach Zulassung frei bleibt, habe sich "im Grundsatz gut bewährt", heißt es in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion.

Der Apothekenverkaufspreis einer Packung Sovaldi® mit 28 Tabletten beträgt 19.999 Euro, je nach Therapiedauer kostet die Behandlung eines Patienten zwischen 60.000 und 120.000 Euro. Seit der Marktzulassung im Februar seien 8700 Packungen des Medikaments im ersten Halbjahr zu Lasten der GKV verordnet worden, heißt es.

Die Regierung bezeichnet die Ausgabenentwicklung für das Präparat als "einzigartig" und kündigt an, die Entwicklung weiter "aufmerksam zu beobachten".

Vorschläge, den ausgehandelten Erstattungsbetrag auch für das erste Jahr nach Markteinführung gelten zu lassen, müssten "am Grundrecht der Berufsfreiheit der pharmazeutischen Unternehmen und gegebenenfalls am verfassungsrechtlichen Rückwirkungsverbot" gemessen werden.

Für die Linksfraktion forderte Kathrin Vogler, Sprecherin für Arzneimittelpolitik, "Mondpreise gehören gesetzlich abgeschafft". Die sich abzeichnenden Kostenbelastungen könne die "Solidargemeinschaft auf Dauer nicht leisten".

Zuvor hatte dagegen der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, eine Rückwirkung des Erstattungsbetrags abgelehnt und die bisherige Verhandlungsstrategie des GKV-Spitzenverbands harsch kritisiert. Er warf den Kassen "starrköpfiges und kurzsichtiges Verhalten" vor.

Mit Blick auf die Verhandlungen über den Erstattungsbetrag für Sovaldi® kritisierte Spahn, anstatt konstruktive Gespräch zu suchen "wird in billiger öffentlicher Stimmungsmache der Nutzen in Frage gestellt und mit den Hoffnungen vieler Patienten gespielt." (fst)

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