Endoprothesen

Register startet Probelauf

Eine Art unabhängiges Frühwarnsystem soll das Register für Endoprothesen einmal werden. Ursachen von Komplikationen nach einer Op sollen bald schneller erkannt werden. Jetzt beginnt an 35 Kliniken der Probebetrieb.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Operation am Hüftgelenk. Das Prothesenregister soll helfen, die Versorgungsqualität zu verbessern.

Operation am Hüftgelenk. Das Prothesenregister soll helfen, die Versorgungsqualität zu verbessern.

© Tack/imago

HAMBURG. 35 Krankenhäuser in Deutschland beteiligen sich am Probelauf des Endoprothesenregisters Deutschand (EPRD). Sie wollen zu einer besseren Datenbasis beitragen, um Aussagen zur Qualität der verwendeten Prothesen treffen zu können.

Über das Register sollen Wissenschaft, Ärzte, Krankenkassen und Industrie an einem Strang ziehen, wie EPRD-Geschäftsführer Professor Joachim Hassenpflug bei der Auftakt-Pressekonferenz in Hamburg sagte.

Derzeit werden in Deutschland 390.000 künstliche Gelenke im Jahr eingebaut. Die EPRD-Daten sollen es Ärzten und Krankenhäusern künftig erlauben, die Ursachen möglicher Komplikationen eher zu erkennen und zu beheben.

Dafür muss jedes Bauteil einer Endoprothese mithilfe einer neuen Software und eines Barcode-Scanners im Krankenaus erfasst werden. Diesem zusätzlichen Aufwand steht nach Ansicht Hassenpflugs aber ein großer Nutzen gegenüber.

Der Direktor der Klinik für Orthopädie des UKSH in Kiel sieht das Register als eine Art unabhängiges Frühwarnsystem, das auch der Industrie wichtige Rückmeldungen über die Qualität ihrer Produkte geben kann.

Hassenpflug stellte in Hamburg aber auch klar: "Ein Rückruf wäre Sache des Herstellers, nicht des Registers."

Das Register wird von einer gemeinnützigen gGMBH getragen, die eine 100prozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) ist.

Das soll die Neutralität und Unabhängigkeit unterstreichen. Die Gesellschaft hat das BQS-Institut damit beauftragt, technisch als Registerstelle zu fungieren.

Nur ein erster Schritt

Die Registerstelle führt Daten aus der Qualitätssicherung von Kliniken, die über den Barcode eingelesenen Produktdaten und Abrechnungsdaten der Krankenkassen zusammen und greift auf eine neue Implantat-Datenbank der Industrie zurück, in der auf dem deutschen Markt verwendete Knie- und Hüftendoprothesen erfasst sind.

So kann sie ermitteln, welcher Prothesentyp wann in welchem Krankenhaus eingebaut wurde und ob es sich um einen Ersteingriff oder eine Wechseloperation handelt.

Die inhaltliche Steuerung der GmbH erfolgt durch ein Exekutivkomitee, in dem die Fachgesellschaft, der AOK-Bundesverband, der vdek, die Industrie und das BQS-Institut vertreten sind.

In einem Beirat sind außerdem der Gemeinsame Bundesausschuss, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und Patientenorganisationen vertreten.

Die Teilnahme am EPRD ist für Patienten, Ärzte, Kliniken und Industrie freiwillig. Nur mit schriftlichem Einverständnis des Patienten dürfen die Daten erfasst und aufbereitet werden. Hassenpflug erwartet breite Resonanz.

Zumindest für die Krankenhäuser deutet sich dies bereits an - das Register konnte die 35 Kliniken für den Probelauf aus 200 Interessenten auswählen. Die Daten werden einmal pro Jahr veröffentlicht.

In einer weiteren Ausbaustufe kann sich Hassenpflug auch Antworten darüber vorstellen, wie es dem Patienten mit dem künstlichen Gelenk geht.

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks begrüßte das Register als Schritt in die richtige Richtung. Sie wünscht sich staatliche Register für implantierbare Medizinprodukte.

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