Knappe Gesundheitsressourcen

Reinhardt spricht sich für Primärarztmodell aus

Wer ohne Überweisung zum Facharzt gehen will, sollte laut dem BÄK-Präsidenten auch höhere Kassenbeiträge bezahlen.

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Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer: „Diese ungesteuerte Inanspruchnahme von Ressourcen können wir uns nicht länger leisten.“

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer: „Diese ungesteuerte Inanspruchnahme von Ressourcen können wir uns nicht länger leisten.“

© Rolf Schulten

Neu-Isenburg. Ärztepräsident Dr. Klaus Reinhardt spricht sich angesichts der zunehmenden Personalnot im Gesundheitswesen für einen gesteuerten Zugang zum Facharzt aus. Die Koordination soll der Hausarzt übernehmen, wie er im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärt. „Wer die völlige Wahlfreiheit haben möchte, also auch ohne Überweisung zum Facharzt gehen will, sollte höhere Beiträge bezahlen“, so Reinhardt. Sein Argument: Diese Versicherten würden das solidarische System stärker in Anspruch nehmen als Patienten, die einen Hausarzt als primären Ansprechpartner hätten.

Andere EU-Länder machen es vor

Neu ist die Forderung nicht, auch die KBV hat sich bereits mehrfach für das sogenannte Primärarztmodell ausgesprochen. Eine Forderung, die Reinhardt bereits im Herbst im Interview mit der „Ärzte Zeitung“ durchaus unterstützte: „Der Hausarzt sollte grundsätzlich primärer Ansprechpartner des Patienten sein, vor allem ab einem bestimmten Alter und bei chronischen Erkrankungen. Er ist derjenige, der eine strukturierte Zusammenarbeit mit den fachärztlichen Kollegen garantieren kann“, sagte er damals.

Im Interview mit dem RND fügt er nun hinzu, dass in allen EU-Staaten Regularien existierten, um die knappen Mittel und das Personal im Gesundheitswesen so sinnvoll wie möglich zu nutzen – nur in Deutschland nicht. Reinhardt: „Diese ungesteuerte Inanspruchnahme von Ressourcen können wir uns nicht länger leisten.“ Das gehe auch zulasten der Patienten. „Zeit für menschliche Zuwendung, die in einer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger wird, bleibt da kaum noch“, so der BÄK-Präsident. (reh)

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