Knappe Gesundheitsressourcen

Reinhardt spricht sich für Primärarztmodell aus

Wer ohne Überweisung zum Facharzt gehen will, sollte laut dem BÄK-Präsidenten auch höhere Kassenbeiträge bezahlen.

Veröffentlicht: 30.12.2019, 15:52 Uhr
Reinhardt spricht sich für Primärarztmodell aus

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer: „Diese ungesteuerte Inanspruchnahme von Ressourcen können wir uns nicht länger leisten.“

© Rolf Schulten

Neu-Isenburg. Ärztepräsident Dr. Klaus Reinhardt spricht sich angesichts der zunehmenden Personalnot im Gesundheitswesen für einen gesteuerten Zugang zum Facharzt aus. Die Koordination soll der Hausarzt übernehmen, wie er im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärt. „Wer die völlige Wahlfreiheit haben möchte, also auch ohne Überweisung zum Facharzt gehen will, sollte höhere Beiträge bezahlen“, so Reinhardt. Sein Argument: Diese Versicherten würden das solidarische System stärker in Anspruch nehmen als Patienten, die einen Hausarzt als primären Ansprechpartner hätten.

Andere EU-Länder machen es vor

Neu ist die Forderung nicht, auch die KBV hat sich bereits mehrfach für das sogenannte Primärarztmodell ausgesprochen. Eine Forderung, die Reinhardt bereits im Herbst im Interview mit der „Ärzte Zeitung“ durchaus unterstützte: „Der Hausarzt sollte grundsätzlich primärer Ansprechpartner des Patienten sein, vor allem ab einem bestimmten Alter und bei chronischen Erkrankungen. Er ist derjenige, der eine strukturierte Zusammenarbeit mit den fachärztlichen Kollegen garantieren kann“, sagte er damals.

Im Interview mit dem RND fügt er nun hinzu, dass in allen EU-Staaten Regularien existierten, um die knappen Mittel und das Personal im Gesundheitswesen so sinnvoll wie möglich zu nutzen – nur in Deutschland nicht. Reinhardt: „Diese ungesteuerte Inanspruchnahme von Ressourcen können wir uns nicht länger leisten.“ Das gehe auch zulasten der Patienten. „Zeit für menschliche Zuwendung, die in einer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger wird, bleibt da kaum noch“, so der BÄK-Präsident. (reh)

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Kommentare
Dr. Schätzler

Nicht nur in meiner haus- und familienärztlichen Allgemeinpraxis stellen wir einen Ü-Schein in der Regel immer mit direktem, persönlichen Patientenkontakt und Zusatzinformationen aus. Insofern relativieren sich die Positionen des/r Patienten/Patientin Jeuthe, der/dem ich im Übrigen wegen der Harnwegsinfekt-"Behandlung" einen Hausarzt-Wechsel dringend anempfehlen würde.

Ein in der Tat praxisferner Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Kollege Dr. med. Klaus Reinhardt, hat sich gewiss um viele andere Dinge wie zum Beispiel eine seit 40 Jahren brach liegende GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) zu kümmern, als um unmittelbar vertragsärztliche Angelegenheiten, für die nur und ausschließlich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zuständig ist.

Aber unsere Spitzenfunktionäre schwadronieren wechselseitig seit Jahren über Dinge, für die sie eigentlich keine Kernkompetenz besitzen, um davon abzulenken, dass sie gesellschaftspolitisch, obwohl im demokratischen Auftrag der Ärzteschaft tätig, weiterhin in der gesamtpolitischen Bedeutungslosigkeit versinken.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Jeuthe

Sehr geehrter Herr Dr. Reinhardt,
wie kommen Sie darauf, dass jeder, der zum Facharzt geht, die Ressourcen belastet. Ich habe Osteoporose und Zustand nach Strumektomie. Mein Hausarzt macht weder eine Knochendichtemessung noch Ultraschall der Schilddrüsenregion. Alle 2 Jahre wird beim Endokrinologen kontrolliert. Sie meinen also, erst einmal zum Hausarzt, dort warten, und dann gnädigerweise eine Überweisung bekommen. Ebenso habe ich seit Jahren Mikroplaques in der Carotis interna rechts und links, zum Doppler muss ich zum Kardiologen. Sowas aber auch. Ich hatte eine Blasenentzündung mit Blut im Urin. Zuerst zum Hausarzt. Mein Hausarzt bestand auf Mittelstrahlurin morgens, den ich nicht liefern konnte, da gefühlt alle 5 Minuten Harndrang. Also kein Rezept, dafür am Freitagnachmittag zum Notarzt, der mir helfen konnte. Kosteneinsparung????? Wenn schon Primärarztmodell, dann müsste es in der heutigen digitalen Welt möglich sein, nicht das Gießkannenprinzip anzuwenden. Es gibt viele Patienten, die das solidarische System nicht übermäßig in Anspruch nehmen wenn sie bei ganz bestimmten Krankheiten zum Facharzt gehen, statt 2 Ärzte abrechnen zu lassen.

Dr. Krüger

Mit seiner Forderung rennt Herr Reinhardt offene Türen ein. Diese wird sich aber leider nicht mehr realisieren lassen.
Eigentlich fordert etwas, was wir schon einmal vor Einführung der "Chipkarte"hatten, die täglich so viele Türen für Arztbesuche öffnet, wie der Patient zeitlich realisieren kann.
Das System , das wir vor Einführung der Chipkarte hatten, entsprach eigentlich dem jeztz geforderten Primärarztmodell und wurde absichtlich zerstört, mit den Folgen, die wir jetzt sehen.
Herr Reinhardt weiß sicher auch, daß es sehr schwer, bis unmöglich sein wird, den Geist wieder in die Flasche zu bringen, nachdem man ihn mutwillig befreit hat.
Ich glaube, daß die Mehrheit der ärztlichen Kollgen seine Forderung unterstützen.


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