Kommentar

Rückkehr in den neuen alten Alltag

Bund und Länder einigen sich auf weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Ärzte dürften aufatmen. Die Praxen können zur Normalität der Regelversorgung zurückkehren.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 06.05.2020, 16:58 Uhr

Nach knapp sieben Wochen „Lockdown“ soll das öffentliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland wieder langsam hochgefahren werden. Der Druck, das zu tun, hatte zuletzt stark zugenommen. Warnungen, der „Lockdown“ könne am Ende schwerwiegendere Folgen haben als das Virus, wurden von Tag zu Tag lauter. Auch die aus der Ärzteschaft.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen, wies schon vor Wochen auf die „Kollateralschäden“ von COVID-19 hin: Chronisch kranke Patienten mieden aus Angst vor Ansteckung die Praxen, obwohl sie ärztlicher Fürsorge bedürften. Vorsorge, Früherkennung und Verlaufskontrollen blieben ungenutzt – mit womöglich tödlicher Konsequenz. Vom Eintritt in den „neuen Alltag“ dürften sich die Ärzte daher vor allem die Rückkehr in die alte Normalität der Regelversorgung erhoffen.

Hoffen, dass der Schutzschirm wirkt

Freilich auch aus anderen als nur altruistischen Gründen: Rückläufige Patientenzahlen – und davon berichtet das Gros der Praxisinhaber – bedeuten eben auch sinkende Praxisumsätze. Ob der Schutzschirm der Politik alle Praxen über die Krise rettet, steht erst nach der Spitzabrechnung fest. Der Wunsch nach Normalität trotz Corona – wer könnte ihn Ärzten und MFA verdenken.

Kassen und Beitragszahlern dürfte zum Jahresende eine dicke Rechnung ins Haus flattern. Rettungsschirm, Schutzausrüstung und Mindereinnahmen summieren sich auf Milliardenbelastungen. Kein Wunder, dass AOK, TK, Barmer & Co. kommenden Montag bei Gesundheitsminister Jens Spahn auf der Matte stehen und finanzielle Abhilfe einfordern. Auch für die Kassen geht es in Corona-Zeiten um die Existenz.

Es ist längst nicht alles vorbei

Ist es all das wert gewesen? Wer die Frage verneint, verkennt, dass es eine vergleichbare Situation wie die der Corona-Pandemie zuvor nicht gegeben hat. Nachwirken sollten etwa die Bilder aus Italien, wo die Pandemie das Gesundheitssystem – vor allem die Intensivstationen – binnen kurzer Zeit zum Kollabieren brachte. Deutschland blieb Vergleichbares erspart – auch weil es rechtzeitig in den Ausnahmezustand getreten ist.

War es das mit dem „Lockdown“? Nein. Steigt die Zahl der Corona-Infektionen erneut schnell, könnte es wieder zum Stillstand kommen – wenn auch regional begrenzt. Das ergibt Sinn. Eine Lehre der vergangenen Wochen ist: Das Infektionsgeschehen ist regional unterschiedlich. Regional unterschiedlich sollten auch die Konsequenzen ausfallen.

Mehr zum Thema

Alte Gräben brechen auf

DKG: Ambulanter Sektor stößt an Grenzen

BÄK-Chef Reinhardt

Krisen-Puffer bei Klinik-Kapazitäten erwünscht

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Koalition bringt E-Patientenakte Richtung Versorgung

PDSG

Koalition bringt E-Patientenakte Richtung Versorgung

Dauerbeatmete Kinder: Das kann niemand alleine leisten

Intensivpflege

Dauerbeatmete Kinder: Das kann niemand alleine leisten

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden