Ambulante Psychotherapie

Schnellerer Zugang zur Akuttherapie

Die Wartezeiten auf Erstgespräch und Akutbehandlung haben sich seit der Reform der Psychotherapie-Richtlinie deutlich verringert. Dafür müssen Patienten aber länger auf eine Richtlinienpsychotherapie warten.

Von Anke Thomas Veröffentlicht: 11.04.2020, 07:08 Uhr
Schnellerer Zugang zur Akuttherapie

© Ärzte Zeitung

Neu-Isenburg. Die Änderungen der Psychotherapeuten-Richtlinie mit Neuerungen zu psychotherapeutischer Sprechstunde und Akutbehandlung sowie der telefonischen Erreichbarkeit der Therapeuten, die zum ersten April 2017 in Kraft getreten sind, hatten zum Ziel, dass Patienten schneller behandelt werden.

Das ist zum Teil auch gelungen, wie Ergebnisse einer online-Umfrage des Deutschen Psychotherapeutenverbandes (DPtV) unter gut 3000 Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ergeben hat.

Seit Inkrafttreten der Reform werden demnach deutlich zeitnaher und häufiger psychotherapeutische Erstgespräche durchgeführt. Im Anschluss daran findet ohne relevante Wartezeit die psychotherapeutische Akutbehandlung statt, so Dr. Cornelia Rabe Menssen, Michael Ruh und Anne Dazer (alle DPtV), die die Ergebnisse der Online-Umfrage ausgewertet haben (Psychotherapie Aktuell 1, 2019, S. 25-34).

Gleichzeitig sei die psychotherapeutische Behandlung differenzierter und werden einer größeren Anzahl von Patienten angeboten.

Begrenzte Behandlungskapazitäten

Da sich aufgrund der Reform nicht mehr Psychotherapeuten niederlassen dürfen, sind die Behandlungskapazitäten aber weiterhin begrenzt. Die schnelleren Termine für Erstgespräche und Akutbehandlung gehen dabei offenbar zulasten längerer Wartezeiten auf eine Richtlinientherapie.

Beispiel Erstgespräch: Während die Nachfrage nach Erstgesprächen 2018 im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich geblieben ist, stieg die Anzahl der durchgeführten Erstgespräche 2018 im Vergleich zu 2017 um 44 Prozent.

Weiterhin belegen die Zahlen wenig überraschend: In Regionen, in denen wenige Psychotherapeuten viele Bürger versorgen müssen, sind die Wartezeiten besonders lang. Warten etwa in eine Region, in der auf einen Psychotherapeuten bis 1733 Einwohner kommen, Patienten im Schnitt 8,2 Wochen auf eine Richtlinientherapie, müssen sich Bürger in Gebieten mit einem Psychotherapeuten auf bis zu 8204 Einwohner auf eine Wartezeit von im Schnitt 17,2 Wochen einstellen (siehe Tabelle).

Um eine zeitnahe Versorgung der Bevölkerung mit Psychotherapie zu gewährleisten und die Wartezeiten abzubauen, fordert der Deutsche Psychotherapeutenverband eine Reform der Bedarfsplanung. Schließlich seien die Vertragspsychotherapeuten mit der Umsetzung der neuen Regelungen durch die Richtlinienreform in Vorleistung getreten.

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