Berufspolitik

Schwester Agnes erhält gute Noten aus Wissenschaft und Politik

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BERLIN (ami). Schwester Agnes kommt in den Westen: Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte die Ankündigung des Ost-Beauftragten der Bundesregierung, Bundesminister Wolfgang Tiefensee.

Er hatte am Freitag angekündigt, das Modell werde "auf alle vom demografischen Wandel besonders betroffenen Regionen ausgedehnt" (wir berichteten). Bislang wird Agnes (Agnes steht für Arztentlastende, Gemeindenahe, E-Health-gestützte, Systemische Intervention) in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt modellhaft mit einer Förderung durch den Europäischen Sozialfonds erprobt. Dabei sind 38 fortgebildete Krankenschwestern und Arzthelferinnen für 53 Hausärzte im Einsatz. Seit Projektstart im Jahr 2005 bis Anfang Oktober haben sie im Auftrag der Ärzte mehr als 10 000 Hausbesuche bei 1545 Patienten vorgenommen. Die Patienten sind im Schnitt 78,7 Jahre alt und mit durchschnittlich sechs Diagnosen überwiegend multimorbide.

Die neue Versorgungsstruktur hat sich nach Ansicht aller Projekt-Beteiligten vollauf bewährt. 90 Prozent der Hausärzte empfinden sie als Entlastung, 88 Prozent sehen eine Verbesserung der Compliance durch den Einsatz der Agnes-Kraft. Von den Patienten halten 99 Prozent Agnes für eine kompetente Ansprechpartnerin, und 94 Prozent können sich vorstellen, dass der Hausarzt nur noch in dringenden Fällen selbst zum Hausbesuch kommt. Das sind Ergebnisse der Begleitforschung durch die Universität Greifswald.

Eine vorläufige epidemiologische Auswertung zeigt nach Angaben des wissenschaftlichen Projektleiters Professor Wolfgang Hoffmann eine verbesserte Lebensqualität und dauerhafte Blutdrucksenkungen bei den Projekt-Patienten.

Von politischer Seite findet das Modell ausschließlich Lob. "Mit diesem Projekt sichern wir trotz Ärztemangel eine medizinische Versorgung auf hohem Niveau", sagte Tiefensee. Zum selben Ergebnis kamen die Gesundheitsministerinnen von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Kritik und Vorbehalte würden auf Missverständnissen beruhen, so Brandenburgs Ministerin Dagmar Ziegler. Für den erfolgreichen Transfer des Modells in die Regelversorgung sei außer der Qualifizierung der Fachkräfte vor allem eine leistungsgerechte Vergütung für die arztentlastenden Tätigkeiten wichtig, so Ziegler. Über die Bewertung der Abrechnungsziffer für Hausbesuche des Praxispersonals im Auftrag des Arztes berät derzeit der Bewertungsausschuss.

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