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Haftpflicht

Steigende Prämien bringen Hebammen in Nöte

Freiberufliche Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, müssen für ihre Haftpflichtprämien künftig rund 560 Euro mehr bezahlen. Für viele Geburtshelferinnen ist das das Aus.

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BERLIN. Die Gruppenhaftpflichtversicherung des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) steigt zum 1. Juli 2016 von bislang 6274 Euro auf 6843 Euro. 2017 wird der Betrag sogar auf 7639 Euro anwachsen. DHV-Präsidiumsmitglied Katharina Jeschke erklärte, dass die betroffenen Hebammen mindestens 1954 Euro der Haftpflichtprämie selbst tragen müssten.

Verglichen mit 2007 sind die Zahlungen für die Haftpflichtversicherung somit auf das Fünffache angewachsen. Damals lag der Beitrag noch bei 1587 Euro. Hintergrund sind die hohen Risiken in der Geburtshilfe. Laut DHV liege die Zahl der Schadensmeldungen konstant bei etwa 100 pro Jahr. Drastisch gestiegen aber seien die Ausgaben für schwere Schäden.

Diese Mehrausgaben lassen sich vor allem auf die gestiegene Lebenserwartung behinderter Kinder zurückführen. Der DHV bietet als einziger Berufsverband eine Gruppenhaftpflicht für Hebammenleistungen an. Rund 2600 in der Geburtshilfe tätige Hebammen sind darüber versichert. 2007 waren es noch 3500.

Zuschlag bringt kaum Entlastung

Jeschke kritisierte, dass der 2014 eingeführte Sicherstellungszuschlag der gesetzlichen Krankenkassen kaum für eine entsprechende finanzielle Entlastung sorge. Da dieser nur auf Antrag und zudem rückwirkend gezahlt werde, hätten die Hebammen "keine Planungssicherheit", welche Kosten tatsächlich auf sie zukommen.

Seine Auszahlung sei zudem daran gekoppelt, dass pro Quartal mindestens eine Geburt stattfinden muss. Eine solche zeitliche Taktung lasse sich bei Geburten nicht einlösen. "Faktisch ist es so, dass eine Habemme - egal wie viele Geburten sie betreut, niemals die volle Summe der beruflichen Kosten wieder erwirtschaften kann", erklärte Jeschke.

Etwa ein Fünftel aller Kinder in Deutschland kommt laut DHV mithilfe von freiberuflichen Hebammen auf die Welt. Deren Jahresumsatz liege bei durchschnittlich 17000 Euro.

Honorar sinkt gleichzeitig

Für viele betroffene Hebammen sei es, so Jeschke, kaum möglich rund 2000 Euro zusätzlich für die Haftpflicht zu stemmen. Zeitgleich mit der Einführung des Sicherstellungszuschlags hätten die Kassen auch die Honorarsätze gesenkt. Hebammen erhalten heute für eine Hausgeburt rund 545 Euro und im Geburtshaus rund 450 Euro.

Der Vergütungssatz für eine Geburt in der Klinik liegt bei rund 272 Euro.

Angesichts der Kosten hat Elisabeth Scharfenberg, Bundestagsabgeordnete der Grünen, gefordert, die Haftpflichtversicherung für Hebammen umzubauen. Diese sollte sowohl solidarische wie ausgleichende Elemente enthalten und gemeinwohlorientiert ausgerichtet sein. (wer)

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Kommentare
Carsten Windt 30.06.201614:22 Uhr

Warum soll jemand anderes für meine Fehler aufkommen?

Was soll dieses ewige gejammer der Hebammen? Wenn ich Dritte gefährde, muss ich dafür einstehen und eine entsprechende Haftpflicht nachweisen. Das gilt für den Betrieb von KFZ genauso wie eine entsprechende berufliche Tätigkeit.
Ich komme auch nicht auf die Idee andere zur Hilfe aufzufordern, wenn ich die PKW-Haftpflicht nicht zahlen kann.

Wenn ich aber meine Berufshaftpflicht nicht bezahlen kann, darf ich eben den Beruf ausüben. Oder ich muss höhere Vergütungen durchsetzen.

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