Finanzierung

Streit um Diagnostik bei Lungenkrebs

Der Einsatz molekularer Diagnostik zur stratifizierten Behandlung von Lungenkrebs scheitert in Deutschland an fehlender Finanzierung.

Veröffentlicht: 14.04.2018, 10:00 Uhr

BERLIN. Onkologen haben kürzlich am Rande des Deutschen Krebskongresses scharf die ablehnende Haltung des Instituts für das Entgeltsystem in Krankenhäusern (InEK) kritisiert, das seit Jahren die Anerkennung der molekularen Diagnostik als Voraussetzung für die Stratifizierung der Therapie beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) verweigert. Nach übereinstimmender Auffassung von Onkologen ist die molekulardiagnostische Abklärung für die Therapieentscheidung bei Patienten mit NSCLC unverzichtbar. Übereinstimmend empfehlen deutsche und europäische Leitlinien (DGHO und ESMO) ihren Einsatz. Danach sollen Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC vor Therapiebeginn auf die molekularen Alterationen EGFR, ALK, ROS1 und BRAF V600 getestet werden, bei Progress auch auf die T790M-Mutation. Ferner wird die Liquid Biopsy als Alternative zur Gewebezytologischen Probe empfohlen.

Einen Fortschritt hat es mit der Novellierung des EBM zum 1. Juli 2016 für die vertragsärztliche Versorgung gegeben: Seitdem ist die Erstattung der ambulant erbrachten Companion Diagnostics geregelt, allerdings ist die Untersuchung von ctDNA aus dem peripheren Blut noch nicht enthalten. Die Abrechnungs- und Leistungsmöglichkeiten entsprechen damit noch nicht vollständig den Leitlinien.

Dies widerspricht der seit Mai 2017 geltenden Rechtslage nach dem Arzneimittelversorgungsstärkungs-Gesetz. Dies schreibt vor, dass der EBM zeitgleich mit dem Beschluss der Nutzenbewertung angepasst werden muss, wenn zur Stratifizierung der Therapie nach der Fachinformation eine spezifische Diagnostik vorgeschaltet werden muss.

Noch schlechter ist gegenwärtig die faktische Diagnostik im Krankenhaus. Generell gilt hier zwar nicht der Erlaubnisvorbehalt des Bundesausschusses – aufgrund der hohen Kosten der molekularen Tests von etwa 1200 Euro sind diese aber bislang in DRGs oder Sonderentgelten abgebildet. Zuständig dafür ist das InEK, das die molekulare Testung als neue Untersuchungsmethode entsprechend den NUB-Richtlinien anerkennen muss. Seit fünf Jahren haben insgesamt 270 Kliniken dazu entsprechende Anträge gestellt, die sämtlich abgelehnt worden seien, kritisierte Professor Helmut Ostermann (München) bei einer von AstraZeneca veranstalteten Pressekonferenz in Berlin. Die Therapie-Stratifizierung bei Lungenkrebs ist für die Patienten aber von essenzieller Bedeutung, betonte Professor Frank Griesinger (Oldenburg): Liege die durchschnittliche Überlebenszeit bei LungenCa zwischen zwölf und 14 Monaten, so betrage sie für Patienten mit einer bestimmten Mutation acht Jahre und erspare überdies bei etwa 50 Prozent der Patienten eine Chemotherapie.

Um die aktuelle Diagnostik und Therapie sowie deren Effekte zu monitoren, wurde 2015 die CRISP-Longitudinal-Kohortenstudie initiiert, in die bis Ende dieses Jahres bis zu 5000 Patienten mit LungenCa eingeschlossen sein sollen und deren Krankheitsverlauf bis zum Tod oder mindestens über drei Jahre beobachtet werden soll. In die Studie gehen alle diagnostischen und therapeutischen Inputs sowie die medical Outcomes ein. Erhoben wird dabei auch der Versichertenstatus – privat oder gesetzlich. Die Ergebnisse, so Griesinger, könnten politisch brisant sein. (HL)

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