OP-Barometer 2019

Stress im OP gefährdet Patienten

Immer weniger Personal bei steigenden Anforderungen: Viele OP- und Intensivpflegekräfte arbeiten einer Umfrage zufolge am Limit – und würden sich nicht im eigenen Krankenhaus operieren lassen.

Veröffentlicht: 27.01.2020, 17:30 Uhr
Stress im OP gefährdet Patienten

Manche Krankenhäuser haben die Personalsituation durchaus im Griff: Professor Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft- und-recht.

© Stefanie Kösling

Frankfurt/Main. Die Personalknappheit im OP führt zunehmend zu einer Gefährdung der Patienten. Davon gehen fast 50 Prozent der Teilnehmer des OP-Barometers 2019 aus. Für das Barometer wurden nach Angaben des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt University of Applied Science 1633 OP- und Anästhesiepflegekräfte befragt.

Viele wollen sich im eigenen Krankenhaus nicht operieren lassen

So gaben nur etwa 39 Prozent der Befragten an, ausreichend Personal zu haben, um die anfallenden Tätigkeiten bewältigen zu können. Allerdings hat sich die Situation im Vergleich zu 2017 offenbar verbessert. Damals lag dieser Wert lediglich bei 28 Prozent.

Deutlich gestiegen mit 52 Prozent ist dagegen der Anteil der OP- und Intensivpflegekräfte, die von Mobbing an ihrem Arbeitsplatz berichten. Zwei Jahre zuvor waren es 38 Prozent. 46 Prozent fühlen sich durch Konflikte am Arbeitsplatz belastet. Nur 63 Prozent wären bereit, sich im eigenen Krankenhaus operieren zu lassen.

„Wenn über 63 Prozent angeben, unter einem hohen Krankenstand zu leiden, mehr als 64 Prozent den Arbeitgeber bei einem guten Angebot wechseln oder weit über 54 Prozent den Beruf nicht mehr im gleichen Krankenhaus ausüben würden, so spricht dies eine deutliche Sprache“, sagt der Direktor des ZGWR, Professor Thomas Busse.

Anforderungen werden immer komplexer

Die schwierige Personalsituation führe zu immer mehr Stress, so Busse. Die personelle Beanspruchung der noch verfügbaren Pflegekräfte steige stetig, der medizinische Fortschritt führe zu immer komplexeren Operationsmethoden und die immer älter werdenden Patienten benötigten hochspezialisierte Pflegekräfte.

Allerdings habe das OP-Barometer auch große Unterschiede im Hinblick auf Personal und Patientengefährdung gezeigt: „Manche Krankenhäuser haben eben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, andere wohl eher weniger“, lautet Busses Fazit. Die aufbereiteten Ergebnisse des OP-Barometers sind laut ZGWR ab der sechsten Kalenderwoche online zugänglich. (chb)

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