Berufspolitik

"Studenten brauchen den Blick fürs Ganze im Gesundheitswesen"

Die Veränderungen im Gesundheitswesen gehen an den Hochschulen nicht spurlos vorbei. Mit innovativen Studiengängen bilden sie die Gesundheitsmanager von morgen aus. "Die brauchen den Blick aufs Ganze", sagt Professor Horst Kunhardt von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Deggendorf.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:

"Unser Ziel ist eine Art Gesundheitsstudium für Patienten, das eine Plattform für den Informationsaustausch zwischen Experten und Patienten darstellt." Professor Horst Kunhardt Hochschule Deggendorf

Die Hochschule Deggendorf bietet daher unter anderem den berufsbegleitenden MBA Studiengang Health Care Management an. Der Informatiker Professor Horst Kunhardt lehrt unter anderem Gesundheitsmanagement in Deggendorf und begleitet das Projekt der Gesundheitsregion Niederbayern durch Studien.

Ärzte Zeitung: Wer lernt in Deggendorf was?

Professor Horst Kunhardt: Der MBA-Studiengang besteht seit sechs Jahren. Er ist interdisziplinär angelegt. Die Teilnehmer kommen aus allen Bereichen der nationalen und internationalen Gesundheitswirtschaft. Neben einer exzellenten Fachausbildung in der Medizin, der Pflege, der Administration, der Medizintechnik oder als Fachleute aus der Pharma- und der Versicherungsbranche bringen die Teilnehmer ein großes Engagement und vor allem Erfahrungen in Leitungsfunktionen ins Studium mit. Während des dreisemestrigen Studiums soll durch Projekte die Zusammenarbeit zwischen diesen unterschiedlichen Berufsgruppen gefördert werden und der Blick aufs Ganze geschärft werden.

Ärzte Zeitung: Warum ist dieser Blickwinkel wichtig?

Kunhardt: Viele Defizite des heutigen Gesundheitssystems haben ihren Ursprung in Schnittstellenproblemen zwischen verschiedenen Berufsgruppen und Institutionen. Genau hier setzt der MBA-Studiengang an: Bereits während des Studiums arbeiten die Teilnehmer inter- und multiprofessionell zusammen und nehmen diese Erkenntnis und Erfahrung gewinnbringend in ihre Organisationen mit, in denen sie für das optimale Gelingen des Versorgungsprozesses Verantwortung tragen.

Das Thema des Wettbewerbs des Bundesforschungsministeriums "Gesundheitsregionen der Zukunft" spiegelt also genau die Inhalte der Vorlesungen als Schnittstellenmanagement zwischen den Sektoren, den verschiedenen Berufsgruppen und den Patienten in einer Region.

Ärzte Zeitung: Werden sich die Hochschulen in der Region darüber hinaus für das Thema Gesundheit engagieren?

Kunhardt: Selbstverständlich. Wir wollen für Niederbayern eine Gesundheitsakademie gründen. Damit wollen wir das Gesundheitsbewusstsein der Menschen in der Region stärken. Zu diesem Zweck soll es in den Kreisen und Städten Kurse und Seminare geben, in denen die Bürger über die Themen Gesundheitsvorsorge, Krankheitsvermeidung sowie über Volkskrankheiten und entsprechende Behandlungsmethoden in der Medizin informiert werden.

Die Hochschulen Deggendorf und Landshut werden sich hier mit Know-how einbringen und auch Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Unser Ziel ist eine Art "Gesundheitsstudium" für Patienten, das zu Themen wie etwa Prävention informiert und eine Plattform für den Informationsaustausch zwischen Experten und Patienten darstellt.

Lesen Sie dazu auch: Niederbayern zeigt, wie vernetzte Versorgung aussehen kann BMW will gerüstet sein für die künftig alternde Belegschaft Wettbewerb des Forschungsministeriums Osteoporose: Vorbeugen, verhindern, heilen Branche & Handel Ärztenetz DonauMed will Menschen vor allem gesund erhalten Geografie & Demografie

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