Substituierende Ärzte wollen weniger Methadon

Nach dem Tod der elfjährigen Chantal soll über Ersatzstoffe für Methadon nachgedacht werden.

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Methadon ist der meist verschriebene Ersatzstoff für Heroinsüchtige.

Methadon ist der meist verschriebene Ersatzstoff für Heroinsüchtige.

© blacksock / fotolia.com

KIEL (di). Der Dachverband substituierender Ärzte Deutschlands fordert geänderte Rahmenbedingungen der Substitution. Ziel ist es, Risiken für Menschen, die nicht an Opiate gewöhnt sind, zu minimieren.

Im Januar starb die elfjährige Chantal in Hamburg-Wilhelmsburg an einer tödlichen Dosis Methadon. Das Mädchen hatte versehentlich die Tabletten genommen, die ihren heroinabhängigen Pflegeeltern verschrieben worden waren.

Folge des tragischen Todes ist eine Debatte über Kinderschutz, Behördenversagen und Elternrechte - nicht aber über die Gefahren der Ersatzstoffe, die Heroinabhängigen verordnet werden.

"Dabei könnten die tödlichen Risiken, die von Substitutionsmitteln für Menschen ausgehen können, die nicht an Opiate gewöhnt sind, minimiert oder gar verhindert werden", sagt Dr. Ingo Rempel aus Kiel.

Es gibt Alternativen zu Methadon

Der Generalsekretär des Dachverbandes substituierender Ärzte Deutschlands verweist auf Alternativen zu Methadon, dem meist verschriebenen Ersatzstoff für Heroinsüchtige.

Die alternativen Substanzen hätten die gleiche suchtstillende Wirkung, führten aber bei nicht an Opiate gewöhnte Menschen nicht zum Tod.

"Würden diese Substanzen häufiger eingesetzt, wären tödliche Unfälle wie der der kleinen Chantal vermeidbar", sagte Rempel.

Das Problem : die rund 2700 substituierenden Ärzte entscheiden nicht allein über die Substanz, auch die Patienten haben Mitspracherecht. Methadon kann zu einem Rauschzustand führen, beliebt ist es auch wegen des hohen Schwarzmarktpreises.

Rempel forderte den Gesetzgeber deshalb dazu auf, der Entscheidung des Arztes bei der Verordnung größeres Gewicht zu verleihen. Zugleich sollten die Sanktionen für substituierende Ärzte gelockert werden, forderte er.

Er sieht in den Strafen einen Grund für das nachlassende Interesse der Ärzte an Substitution. In Deutschland nehmen nach Angaben des Dachverbandes derzeit 76.200 Patienten an einer Substitution teil.

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