Suchtärzte uneins über die Auswirkungen von Substituten

Methadon oder Buprenorphin? Suchtärzte streiten über den Einsatz der Heroinsubstitute.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:

BERLIN. Eine vorübergehend gesperrte Internetseite hat einen Streit neu belebt, der nach dem Tod der elfjährigen Chantal durch Methadonvergiftung in Hamburg unter Suchtmedizinern über die Frage entbrannt war: Verhalten sich Suchtärzte zu lax?

Die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin (DSG) reagiert nun in einer Pressemitteilung auf Äußerungen des Generalsekretärs des Dachverbands der substituierenden Ärzte (DSÄ), Dr. Ingo Rempel. Der hatte von einem "bedenkenlosen Umgang" von Ärzten und Politikern in Hamburg und Bremen mit Betäubungsmittelrezepten berichtet.

Stoßrichtung Rempels ist der florierende Schwarzmarkt mit Methadon und die davon ausgehenden Gefahren auch für Kinder.

Es sei eine Illusion, Missbrauch verhindern zu können, hält die DSG dagegen. In Hamburg würden zeitgleich rund 4.500 Menschen mit Substitutionsmedikamenten behandelt. Jedes Jahr verordneten Ärzte rund 1,6 Millionen Tagesdosen.

Buprenorphin schwächer als Methadon?

Die DSG sieht dagegen eher Probleme beim Einsatz von Buprenorphin. Es sei "nach allen Erkenntnissen" schwächer als Methadon und "eben nicht gleich suchtstillend", wie die DSÄ behaupte.

Eine erleichterte Verordnung dieses Medikaments könne bei Substituierten zu verstärktem "Beikonsum" führen, warnten Vertreter der DSG.

Die vorübergehend nicht erreichbare Webseite www.methadonliste-Hamburg.de sei Opfer eines Hackerangriffs geworden, teilten die Betreiber der Seite mit. Sie bleiben anonym und beschreiben sich als Gruppe von (Ex-)Konsumenten, die alle in der Substitution seien oder es waren.

Auf der Seite finden sich die Namen von insgesamt 79 Hamburger Substitutionsärzten, darunter fünf, die als "Hamburgs lockerste Methadonärzte" bezeichnet werden.

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