Kassen-Finanzausgleich

TK-Chef sieht Fehlanreiz zur Überkodierung

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DÜSSELDORF. Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK) Dr. Jens Baas warnt vor einer "katastrophalen Fehlsteuerung" durch den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich in der GKV.

Aktuell sei der wesentliche Erfolgsfaktor für eine Krankenkasse die Frage, wie gut die Ärzte die Krankheiten ihrer Versicherten kodieren, sagte Baas beim Neujahrsempfang der TK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

"Der Versicherte soll auf dem Papier möglichst krank, in Realität aber möglichst gesund sein", charakterisierte er das System. Dadurch bestehe für die Kassen ein großer Anreiz, die Ärzte zu Fehlkodierungen zu motivieren. Das sei langfristig nicht nur für die GKV schädlich, sondern auch für die Versicherten selbst. "Bei wem einmal eine Depression kodiert wurde, sollte mal versuchen, eine Berufsunfähigkeits-Versicherung zu bekommen", sagte Baas.

Seine Forderung: "Wir brauchen ein System, das manipulationssicher ist."

Der TK-Chef zog eine kritische Bilanz der Gesundheits-Gesetzgebung der Großen Koalition. Die Kosten-Nutzen-Abwägung bei den bisher 15 Gesetzen mache ihm Sorgen. Es sei jetzt schon klar, dass die Gesetze mit hohen Kosten für die Kassen verbunden seien. "Unsicher ist, was bei ihnen rauskommt."

Baas fürchtet etwa, dass der Strukturfonds für die Krankenhäuser in vielen Bundesländern lediglich als Mittel gesehen wird, an zusätzliches Geld zu kommen. "Ich bin skeptisch, ob wir wirklich zu Strukturveränderungen kommen."

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) erneuerte ihre Kritik am Pflegeberufegesetz. Zwar sieht auch sie Vorteile in der Generalistik. Die Auswirkungen der jetzt geplanten Veränderung sämtlicher Ausbildungsstrukturen seien aber überhaupt noch nicht abzusehen.

Ein Beispiel sei die Anzahl der Fachkräfte in der Altenpflege. "Ich hoffe, dass wir mit der Bundesebene noch so etwas wie eine Risikofolgeabschätzung hinbekommen", sagte Steffens. (iss)

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