Assistenzberufe

Therapeuten sehen sich in Dauerkrise

Physiotherapeuten & Co. bewerten ihre Arbeitsbedingungen als nicht zukunftsfähig. Das geht aus einer Analyse von Wissenschaftlerinnen hervor.

Von Dr. Florian Staeck Veröffentlicht: 21.02.2019, 15:01 Uhr

BERLIN. Physiotherapeuten und Angehörige anderer Therapeutenberufe sehen sich in der Krise. Verbesserungen müssen schnell kommen und für die Therapeuten „erlebbar“ sein. Das sind zwei Kernaussagen einer Analyse von 629 Brandbriefen, die von Professor Heidi Höppner und Dr. Eva-Maria Beck von der Alice Salomon-Hochschule Berlin vorgenommen wurde.

Im vergangenen Sommer hat der Physiotherapeut Heiko Schneider über soziale Medien die Aktion „Therapeuten am Limit“ gestartet. Die Resonanz war groß – über 1000 Therapeuten schilderten in Briefen die aus ihrer Sicht prekäre Arbeitssituation.

Therapeuten befinden sich in einer „beruflichen Gratifikationskrise“, heißt es in der Analyse, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Daraus erwachse eine „hohe Verunsicherung durch fehlende Sicherung des Lebensunterhalts und der Rente durch Erwerbsarbeit“. Die Gehälter von angestellten Physiotherapeuten rangieren im Schnitt bei knapp über 2000 Euro brutto pro Monat, bei Ergotherapeuten bei 2500 Euro.

Höppner und Beck konstatieren eine „paradoxe Entwicklungsdynamik“ mit Blick auf die Therapeutenberufe. Ihre Qualifikation ziehe keine Anerkennung im Gesundheitssystem nach sich und die höhere Nachfrage nach therapeutischen Leistungen führe auch nicht zu einer Leistungsausweitung. Im Kern fehle den Therapeuten im Versorgungssystem eine eigene Stimme. Die beiden Wissenschaftlerinnen sehen die Heilmittelbranche als „Seismograf für die Fehl- und Unterversorgung von Patienten“ an. Dies gelte zumal vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der Zunahme chronischer Erkrankungen. Therapeuten sähen sich in einer „Sandwichposition“ zwischen ärztlich bestimmten Versorgungsstrukturen einerseits und veränderten Therapiebedarfen andererseits.

Im Dezember hat Gesundheitsminister Jens Spahn ein Gesetzespaket vorgelegt, das Strukturreformen und finanzielle Aufwertung verbinden soll. So soll beispielsweise bis April 2020 die Blanko-Verordnung eingeführt werden. Die Anbindung der Preise für Heilmittel-Leistungen soll nun dauerhaft aufgehoben werden.

Mehr zum Thema
Kommentare
Ulrich Pohl

Gefahr erkannt - nicht gebannt

Während Patienten sich die Finger für einen Behabdlungstermin wund wählen verweigern die GKV eine angemessene Vergütung der Physiotherapeuten.
Zertifikatspositionen wie Lymphdrainage oder KG nach Bobath werden trotz immenser Weiterbildungskosten schlechter bezahlt als normale KG.
Hausbesuche sind bei Preisen von 8 Euro mehr als unwirtschaftlich und gefährden die Existenz.
Personal wandert aus den Praxen in Kliniken ab - nur dort besteht die Möglichkeit die 3000 Euro Gehaltsgrenze zu durchbrechen..der Mangel wird anhalten!


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Wo es Lepra-Fälle in Deutschland gab

Welt-Lepra-Tag

Wo es Lepra-Fälle in Deutschland gab

Manche Patienten brauchen nur einen kleinen Schubser

Organspende

Manche Patienten brauchen nur einen kleinen Schubser

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden