Apotheke

Umweltbewusste Arznei-Entsorgung

Nur jeder dritte Bundesbürger bringt seine Altarznei stets in Apotheken. Oft landen die Reste im Hausmüll oder gar in der Toilette. Im start-Projekt wurden die Optionen für einen umweltbewussten Umgang mit Arzneien ausgelotet.

Ruth NeyVon Ruth Ney Veröffentlicht:
Für Human-Arzneimittel werden pro Jahr über 30 000 Tonnen Wirkstoffe verwendet. Was Patienten davon nicht verbrauchen, werfen sie oft in den Hausmüll.

Für Human-Arzneimittel werden pro Jahr über 30 000 Tonnen Wirkstoffe verwendet. Was Patienten davon nicht verbrauchen, werfen sie oft in den Hausmüll.

© Foto: Imago

Nach einer repräsentativen Umfrage des Frankfurter Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) entsorgen 16 Prozent der Deutschen Tabletten, Kapseln und andere feste Zubereitungen häufig oder gelegentlich über die Toilette; bei flüssigen Altmedikamenten sind dies sogar 43 Prozent. Und da Arzneistoffe und deren Metaboliten in Kläranlagen kaum entfernt und nur schwer abgebaut werden, gelangen sie in den Wasserkreislauf - ebenso wie die ausgeschiedenen Wirkstoffe einer Pharmakotherapie.

Rückstände von Humanpharmaka werden mittlerweile verbreitet in Gewässern und teilweise im Trinkwasser nachgewiesen. Eine akute Gefährdung für Menschen gehe davon momentan wohl nicht aus, dafür seien die Konzentrationen zu gering, so Dr. Florian Keil vom ISOE. Unklar seien aber die langfristigen Folgen.

"In der Bevölkerung besteht nach wie vor Unklarheit über die sachgemäße Entsorgung von Altarzneien, da es keine einheitlichen Richtlinien gibt", sagte Keil zu ApothekerPlus. In Rheinland-Pfalz etwa wurde dieses Problem jüngst erkannt. Dort ist Anfang des Jahres ein gemeinsam von Umweltministerium und Landesapotheker- und Landesärztekammer erarbeitetes Faltblatt "Altmedikamente entsorgen" herausgegeben worden, um das Bewusstsein für eine sichere Arznei-Entsorgung zu schärfen.

Möglichkeiten, den Umgang mit Arzneien umweltbewusster zu gestalten, wurden auch im start-Projekt (Strategien zum Umgang mit Arzneimittelwirkstoffen im Trinkwasser) ausgelotet. In dem gerade abgeschlossenen Projekt unter Keils Leitung wurden konkrete Vorschläge erarbeitet, wie Industrie, Gesundheitswesen und Entsorgungswesen Umweltbelastungen reduzieren könnten.

"Für die Pharmaindustrie könnte das bedeuten, bereits bei der Arzneistoffentwicklung Umwelteigenschaften zu berücksichtigen", so Keil. Dem stehe aber die Sorge entgegen, damit Innovationen auszubremsen. Wie eine umweltverträgliche Verordnung aussehen kann, mache Schweden vor.

Dort haben Ärzte eine Liste, nach der sie Wirkstoffe nach ihrer Umweltverträglichkeit - Lebensdauer der Stoffe, Bioakkumulation und ökologische Toxizität - auswählen können, wie Keil erläuterte. Auch bei der Abwasserentsorgung seien Verbesserungen, etwa durch Aktivkohlefiltration, möglich. "Solitäre Maßnahmen helfen allerdings nicht viel", so Keils Fazit. "Nur wenn alle drei Akteure zusammenarbeiten und das Problembewusstsein für Arzneistoffe in der Umwelt wächst, kann langfristig etwas verändert werden."

Weitere Infos www.start-project.de

Faltblatt Arznei-Entsorgung (pdf) unter www.mufv.rlp.de/index.php?id=4630

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