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„Wichtige Anlaufstelle“

Unabhängige Patientenberatung in Corona-Zeiten gefragt wie nie

Der Monitor Patientenberatung der UPD ist auch im Jahr 2020 ein Seismograf, ob das Gesundheitswesen patientenorientiert arbeitet. Corona hat den UPD-Mitarbeitern zusätzliche Arbeit beschert.

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Die Selbstverwaltung ist gefordert, den Willen des Gesetzgebers auch umzusetzen: Professor Claudia Schmidtke, Patientenbeauftragte der Bundesregierung.

Die Selbstverwaltung ist gefordert, den Willen des Gesetzgebers auch umzusetzen: Professor Claudia Schmidtke, Patientenbeauftragte der Bundesregierung.

© Fotograf CDU/Jan Kopetzky

Berlin. Die Unabhängige Patientenberatung (UPD) ist im Vorjahr „eine wichtige Anlaufstelle für verlässliche Informationen und Beratung“ gewesen. Dieses Fazit zieht die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Professor Claudia Schmidtke, aus dem „Monitor Patientenberatung 2020“, den die UPD am Mittwoch vorgestellt hat.

Demnach hat die Zahl der Beratungen mit 172.945 einen neuen Höchststand seit 2016 erreicht. Das sind rund 45.000 Beratungen mehr als 2019. Die Zunahme erkläre sich im Kontext der Corona-Pandemie, heißt es. Fast 30 Prozent der Beratungen seien allein auf dieses Thema entfallen.

Rechtsfragen dominieren in der UPD-Bilanz

Die Zahl der rechtlichen Anfragen hat um rund 10.000 auf fast 94.000 zugenommen. In fast 45.000 erfolgten Anfragen mit medizinischem Hintergrund – ein Anstieg um etwa 20.000 im Vergleich zu 2020.

Bei den Rechtsfragen waren Leistungsansprüche gegenüber Kostenträgern mit rund 40 Prozent der mit Abstand größte Themenblock (36.716 Beratungen). Mit weitem Abstand folgt der Komplex Patientenrechte und ärztliche Berufspflichten (16.715 Beratungen), Kassenmitgliedschaft und -beiträge (8165) sowie Fragen zu einem Verdacht auf Behandlungsfehler (5662).

Hatten Versicherte Fragen zu Leistungsansprüchen gegenüber Kostenträgern, dann stand das Thema Krankengeld mit weitem Abstand am häufigsten auf der Agenda (14.212 Beratungen). Pflegeleistungen nach dem SGB XI (6289) und die stationäre medizinische Rehabilitation (2709) waren die am nächsthäufigsten gefragten Themen.

Wenn Versicherte medizinische Fragen an die UPD-Mitarbeiter hatten, dann ging es am häufigsten um Themen wie Risikofaktoren, Früherkennung, Vorsorge, Therapie oder Prognose von Erkrankungen (31.094). Weitaus seltener wurde um Unterstützung bei der Suche nach Leistungserbringern gebeten (4434) oder psychosoziale Beratung erfragt (4084).

Zwei von drei Ratsuchenden sind Frauen

Wie in den Vorjahren wird die UPD in zwei von drei Fällen von Frauen um Rat gebeten. Die 46- bis 55-Jährigen stellen mit 17 Prozent die größte Altersgruppe. Bei Ratsuchenden bis 25 Jahre überwiegen dem Bericht zu Folge medizinische Themen. Dagegen stehen bei den 35- bis 65-Jährigen rechtliche Fragen im Vordergrund.

Bei Älteren über 65 Jahre dominieren dann wieder medizinische Aspekte. Arbeitnehmer stellen mit rund 44 Prozent die größte Gruppe der Ratsuchenden, Rentner sind mit etwa 28 Prozent die zweithäufigste Gruppe.

Aus Sicht der Patientenbeauftragten wirft der UPD-Monitor ein Schlaglicht darauf, wo das Gesundheitswesen noch patientenorientierter werden muss. Der Bericht sei daher „eine wertvolle Quelle für Verbesserungspotenziale“, so Schmidtke.

Krankengeld-Stopp – am Telefon mitgeteilt

UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede berichtet, Krankenkassen würden erlassene Verwaltungsakte ihren Versicherten kurzerhand am Telefon mitteilen – wie etwa die Einstellung der Krankengeldzahlung. Ein anderes Beispiel für fehlende Patientenorientierung sei der eigentlich rechtlich verbriefte Anspruch auf ein Wiederholungsrezept bei der Verordnung von Arzneimitteln.

Doch stehe dieser Anspruch häufig „nur auf dem Papier“. Das bezeichnete die Patientenbeauftragte als den Versicherten „schwer vermittelbar“. Hier sei die Selbstverwaltung gefordert, „den Willen des Gesetzgebers auch umzusetzen“, so Schmidtke. (fst)

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