Corona-Maßnahmen

Unmut und Unverständnis über Reinhardts Masken-Aussagen

In einer Talkshow zweifelt der BÄK-Chef Klaus Reinhardt den Sinn von Alltagsmasken an. Viele Ärzte und Kammern stören sich an diesen Aussagen. Es gibt sogar Rücktrittsforderungen.

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Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer eckt mit seinen Aussagen zum Sinn von Alltagsmasken bei vielen seiner Kollegen an.

© Wolfgang Kumm/dpa

Köln. Mit seinen Äußerungen zum Sinn von Alltagsmasken hat der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt in der Ärzteschaft für Unmut gesorgt. Einige Landesärztekammern und der Marburger Bund sind nicht glücklich mit der Positionierung von Reinhardt.

Er hatte in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ am Mittwochabend die Alltagsmasken zwar nicht generell abgelehnt, aber Zweifel daran geäußert, dass ihr großflächiger Einsatz ein wirksames Instrument zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist. Er sei von den Alltagsmasken nicht überzeugt, „weil es auch keine tatsächliche wissenschaftliche Evidenz darüber gibt, dass die tatsächlich hilfreich sind, schon gar nicht im Selbstschutz und wahrscheinlich auch nur ganz wenig im Schutz, andere anzustecken.“

Reinhardts eigene Kammer widerspricht

Das sehen viele Landesärztekammern offensichtlich anders. Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Hans-Albert Gehle, appelliert an die Bevölkerung, die empfohlenen Schutzmaßnahmen uneingeschränkt zu befolgen. „Auch die Alltagsmasken helfen und schützen“, sagt er. Während beim Umgang mit infektiösen Patienten in Kliniken und Praxen eine FFP2-Maske erforderlich sei, würden im Alltag auch einfache Masken das Übertragungsrisiko für alle Infektionskrankheiten senken. „Das Tragen von Masken im Alltag hilft dabei, die Ausbreitung von COVID einzudämmen“, betont Gehle.

Das Pikante: Reinhardt ist sein Vize an der Spitze der ÄKWL. Gehle bezieht sich in seiner Stellungnahme nicht direkt auf ihn, sondern stattdessen auf die stark steigenden Infektionszahlen in Nordrhein-Westfalen. Auf sie verweist auch der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. Er ist mit seiner Reaktion auf den BÄK-Präsidenten noch zurückhaltender und geht nicht explizit auf die Masken-Thematik ein. „Für die Wirksamkeit der fünf wichtigsten Regeln gibt es überzeugende Belege: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, in jedem Gedränge Alltagsmasken tragen, regelmäßig lüften und die Corona-Warn-App nutzen“, sagt er allgemein. Allerdings schiebt Henke hinterher: „Ich danke allen Ärztinnen und Ärzten, die tagtäglich für die Akzeptanz dieser Maßnahmen werben.“

„Erste Bürgerpflicht“

Die Präsidenten der Ärztekammern Rheinland-Pfalz und des Saarlandes haben mit einer gemeinsamen Pressemitteilung reagiert. Die bundesweiten Maßnahmen solle jeder befolgen, das sei „erste Bürgerpflicht“, fordern Dr. Günther Matheis und Dr. Josef Mischo – „aus gegebenen Anlass“. Auch sie betonen, dass die Wirksamkeit des Mundnasenschutzes eindeutig belegt sei.

Auch Bayerns Ärztekammer-Präsident Dr. Gerald Quitterer ist „nicht glücklich“ über die Äußerungen seines Bundesvorsitzenden. Sie konterkarierten die Bemühungen, Patienten die Sinnhaftigkeit des Mund-Nasen-Schutzes nahezubringen, sagte er dem „Münchner Merkur“. Er selbst trage auch außerhalb seines Praxis-Alltags eine Maske, da es „infektiologisch sinnvoll“ sei.

Johna: Maßnahmen werden diskreditiert

Die Vorsitzende des Marburger Bundes Dr. Susanne Johna ist mit ihrer Kritik expliziter. „Gerade in der jetzigen Phase der Pandemie kommt es darauf an, mit klaren Botschaften die Bevölkerung über den notwendigen Infektionsschutz aufzuklären“, sagt sie. Leider habe der BÄK-Präsident jüngst den Eindruck erweckt, dass für ihn Alltagsmasken zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nur von geringem Wert seien. „Diese persönliche Auffassung des Bundesärztekammer-Präsidenten steht im Widerspruch zur aktuellen Studienlage und ist geeignet, das seit Monaten wirksame und evidenzgestützte Konzept zur Minimierung von Infektionen zu diskreditieren.“

Lauterbach sieht unentschuldbare Wortwahl

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bezeichnete Reinhardts Wortwahl „Vermummungsgebot“ auf Twitter als „unentschuldbar“ für den „ranghöchsten deutschen Ärztefunktionär“. „Aus meiner Sicht ein Rücktrittsgrund, wenn er das nicht sofort zurücknimmt“, schrieb er. Reinhardt hatte im weiteren Verlauf gesagt: „Wenn wir darüber nachdenken, dass in den Siebzigerjahren ein Vermummungsverbot ausgesprochen wurde, und jetzt haben wir ein Vermummungsgebot, dann glaube ich, dass das etwas mit einer Gesellschaft macht.“

Ebenfalls im Kurznachrichtendienst Twitter äußern viele Ärzte Unmut und Empörung über Reinhardts Aussagen. So schreibt dort beispielsweise Dr. Cihan Çelik, Funktionsoberarzt auf der Isolierstation für COVID-19-Kranke im Klinikum Darmstadt: „Wer unter der Behauptung ‚persönliche Meinung‘ als Präsident der Bundesärztekammer zur besten Sendezeit unwissenschaftliche Statements zu Masken abgibt, die geeignet sind, die öffentliche Gesundheit auf Spiel zu setzen, schadet allen und auch der Ärzteschaft“.

In einer ersten Pressemitteilung am Donnerstagmittag hatte die BÄK im Namen von Reinhardt und seinen beiden Vizepräsidentinnen mitgeteilt, „dass in allen Situationen, in denen kein ausreichender Abstand gewahrt werden kann, zum Beispiel in geschlossenen Räumen oder im Öffentlichen Nahverkehr, das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes sinnvoll ist“.

Am Freitagnachmittag legte die BÄK erneut nach. Jetzt namens ihres Präsidenten Reinhardt, des gesamten Vorstands sowie der Präsidenten aller Landesärztekammern und zahlreicher Fachgesellschaften wurde der Nutzen eines Mund-Nasen-Schutzes betont.

Kurz darauf ließ Reinhardt sogar noch eine persönlichen Erklärung verbreiten. Er bedaure die erheblichen Irritationen, die er mit seinem Zweifel am wissenschaftlichen Evidenznachweis der Schutzwirkung von Mund-Nasen-Masken hervorgerufen habe. Die aktuelle Evidenz aus vielfältigen Studien spreche für einen Nutzen einer solchen Gesichtsmaske. „Meine Absicht war zu keinem Zeitpunkt, die Gefahren der Pandemie zu bagatellisieren“, so Reinhardt. (bar/iss/dpa)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Bernd Rohm

In dieser Position sollte man sich solch undurchdachter Spekulationen enthalten. Völlig egal ob diese Meinung sich als richtig oder falsch herausstellen wird, ist sie ein unbedachter Schnellschuss, der nur weiter zur Verunsicherung beiträgt. Seiner Position nicht würdig. BR

Dr. Christoph Luyken

Der shitstorm gegen Hr. Dr.Reinhardt ist unbegründet. Es ist einem Arzt angemessen, den Nutzen der "Alltagsmasken" zu relativieren. In der vom Kollegen Schätzler zitierten Studie, die den Nutzen von MNS belegen soll, „wurden 2 Puppen mit den Gesichtern zueinander aufgestellt." Fraglos soll ein MNS getragen werden, wenn man anderen Menschen mit dem Gesicht zugewandt ist, weil in diesem Fall Tröpfcheninfektionen damit verhindert werden. Es ist aber sinnfrei, die "Masken" zu tragen, wenn man sich in der freien Luft abseits anderer Menschen bewegt. Ich empfehle jedem, der sich bemüßigt fühlt, den BÄK-Präsidenten Dr.Reinhardt zu kritisieren, oder gar seinen Rücktritt zu fordern (skandalös!) sich die Sendung, in welcher Lanz sich mit Dr.Reinhardt auseinandersetzt, selbst (noch) einmal anzusehen:
https://www.youtube.com/watch?v=Q7FAyp3GhFQ Die relevanten Abschnitte findet man zwischen den Minuten 9:15 und 14:00. Während der Kollege Reinhardt höchst sachlich die sinnvolle Verwendung von „Masken“ erläutert, fällt ihm Lanz immer wieder ins Wort (z.B. bei 12:44) und läßt ihn wiederholt seine Ausführungen zum Thema nicht zu Ende bringen (z.B. min 15:30-16:18). Man kann unschwer erkennen, daß es Lanz ist und nicht Dr.Reinhardt, der in der Sendung beruflich versagt!! Offenbar ist Mitdenken nicht mehr gewünscht. Alle sollen sich nur ans "Schema F" halten. Nur wer das für richtig hält, wird Lanz zustimmen können. Seine Art, die Diskussion zu führen finde ich im Übrigen unerträglich. Wenn er Leute als Experten in die Sendung lädt, dann soll er sie auch ausreden lassen. So gegen Reinhardts Aussage zu polemisieren und zwanghaft zu versuchen, eine vorgefasste Meinung durchzusetzen, ist eine journalistische Entgleisung. Gabriele Krone-Schmalz sagte dazu: „Diskutieren ist doch nichts Schlimmes“ (min. 14:30-55), worauf Lanz antwortete (15:03) „Ich finde es ist ein Punkt erreicht, an dem man nicht mehr darüber diskutieren sollte!“ Wozu lädt er dann Diskutanten ein?? Für mich ist die Sache klar, w e r hier zurücktreten sollte.

Dr. Thomas Georg Schätzler

Wenn der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), der Kollege Dr. Klaus Reinhardt, in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ am Mittwochabend die Alltagsmasken zwar nicht generell abgelehnt, aber Zweifel daran geäußert hat, dass ihr großflächiger Einsatz ein wirksames Instrument zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist, entspricht das nicht der Faktenlage. Und diese sollte nun wirklich auch ihm bekannt sein.

Auf Nachfrage von Markus Lanz, der das Ganze gar nicht glauben konnte, behauptete der BÄK-Präsident auch noch, er sei von den Alltagsmasken nicht überzeugt, „weil es auch keine tatsächliche wissenschaftliche Evidenz darüber gibt, dass die tatsächlich hilfreich sind, schon gar nicht im Selbstschutz und wahrscheinlich auch nur ganz wenig im Schutz, andere anzustecken.“

Dabei ist mehrfach in Studien ein erheblicher aktiver/passiver Schutz mit deutlicher Verringerung von Selbst- und Fremdgefährdung bei SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen belegt.

Zuletzt durch eine brillante Studie japanischer Wissenschaftler. Die Forschergruppe um Professor Kawaoka Yoshihiro und Professor Ueki Hiroshi vom Institut für Medizinische Wissenschaft der Tokio Universität hat dabei untersucht, wie gut welche Art von Masken schützen. Dazu wurden zwei Puppen mit den Gesichtern zueinander aufgestellt. Eine sendet das Virus aus, die andere atmet es ein. Das Ergebnis:

Trägt nur eine Person eine Stoffmaske, ist das Ansteckungsrisiko um bis zu 17 Prozent geringer, eine chirurgische Maske reduziert das Risiko um 47 Prozent. Tragen beide Personen eine Stoffmaske, verringert sich die Ansteckungsgefahr um 70 Prozent; mit einer eng anliegende medizinische N95-Maske reduziert sich die Viruslast sogar um 79 Prozent.

Die nachfolgenden Rückzugsgefechte des BÄK-Präsidenten sind nicht nur m.E. mehr als peinlich.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Thomas Georg Schätzler

Zur Begründung und Erläuterung:
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/29974-fluiddynamik-modelle-entkraeften-nicht-belegten-maskenschutz
FLUIDDYNAMIK-MODELLE ENTKRÄFTEN NICHT DEN ERNEUT DURCH EINE JAPANISCHE STUDIE BELEGTEN MASKENSCHUTZ
Forschungsgruppen aus dem Bereich der Fluiddynamik entwickelten ein verbessertes Modell der Ausbreitung infektiöser Tröpfchen. Dabei zeigt sich, Masken tragen, Abstände halten führt nicht zu absoluter Sicherheit. Denn auch Masken können nicht verhindern, dass infektiöse Tröpfchen z.B. beim Husten/Niesen über mehrere Meter übertragen werden und in der Luft verweilen: "Host-to-host airborne transmission as a multiphase flow problem for science-based social distance guidelines" von S.Balachandar et al. https://doi.org/10.1016/j.ijmultiphaseflow.2020.103439

Doch Mund- und Nasenmasken können in klinischer und alltagsgerechter Versuchsanordnung auch ohne aufwändige Fluiddynamik die tatsächliche Übertragung des Coronavirus zu einem großen Teil nachweisbar verhindern, jedoch nicht vollständig eindämmen. Damit sinkt die Ansteckungs-Wahrscheinlichkeit entscheidend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie japanischer Wissenschaftler. Die Forschergruppe um Professor Kawaoka Yoshihiro und Professor Ueki Hiroshi vom Institut für Medizinische Wissenschaft der Tokio Universität hat dabei untersucht, wie gut welche Art von Masken schützen. Dazu wurden zwei Puppen mit den Gesichtern zueinander aufgestellt. Eine sendet das Virus aus, die andere atmet es ein. Das Ergebnis: Trägt nur eine Person eine Stoffmaske ist das Ansteckungsrisiko um bis zu 17 Prozent geringer, eine chirurgische Maske reduziert das Risiko um 47 Prozent. Tragen beide Personen eine Stoffmaske, verringert sich die Ansteckungsgefahr um 70 Prozent, eine eng anliegende medizinische N95-Maske reduziert die Viruslast sogar um 79 Prozent.

https://rheinischer-spiegel.de/japanische-studie-testete-schutz-von-stoffmasken-ansteckungsgefahr-deutlich-verringert/

Mf+kG, Dr. med. T. G. Schätzler, FAfAM

Originalquelle noch nicht verfügbar

Dr. Thomas Georg Schätzler

Twitter (aktualisiert) - Thomas G. Schätzler
@ThomasGSchtzler / Antworten @BILD

Oberpeinlich! Vor 3 Tagen bei Lanz im ZDF als BÄK-Präsident konfabuliert: „Weil es auch keine tatsächliche wissenschaftliche Evidenz darüber gibt, dass die tatsächlich hilfreich sind“, wird er von Prof. K.-D. Zastrow / Berlin "abgewatscht". Vgl. https://t.co/P3urw8VFV0

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Christian Kirchhof antwortete am

Na wenn sich die beiden Alles-Besser-Wisser Schätzler und Zastrow (peinlich ohne Ende) einig sind, dann kann dieser Welt ja nichts mehr passieren ....
Vielleicht auch mal andere Quellen lesen, kann helfen! Z.B. Krankenhaushygiene uptodate 2020; 15, 279-297: MNS in der Öffentlichkeit: Keine Hinweise für eine Wirksamkeit!

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