Berufspolitik

Versorgungszentren sind kaum mehr wegzudenken

BERLIN (wul). Die Träger von Medizinischen Versorgungszentren glauben weiter an den Erfolg dieser Kooperationsform.

Veröffentlicht: 13.05.2011, 05:00 Uhr

"Eine effiziente medizinische Versorgung der Zukunft ist integriert, interdisziplinär und strukturiert", sagte Christoph Straub, Noch-Vorstand der Rhön-Klinikum AG und designierter Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK auf dem Hauptstadtkongress in Berlin: "MVZ sind eine Kooperationsform, die eine solche Versorgung möglich machen."

Rhön will weiter in MVZ investieren

Trotz der in den Eckpunkten für das Versorgungsgesetz vorgesehenen Einschränkungen bei Gründung und Betrieb von MVZ durch Klinikbetreiber will die Rhön Klinikum AG an ihrer Strategie festhalten und weiter in MVZ investieren. Die Entwicklung bedarfsorientierter, tragfähiger und regional passgenauer Angebote für die wohnortnahe ambulant-fachärztliche Versorgung stehe dabei im Vordergrund.

Besonderes Interesse soll dabei ländlichen MVZ um und an Krankenhäusern gelten. "Die Nachfrage nach medizinischen Leistungen wird absehbar steigen, während die ärztliche Arbeitskapazität eher abnehmen wird, vor allem außerhalb der Metropolregionen", sagte er.

Den geplanten gesetzlichen Änderungen sieht Wolfram Otto, Chef der Polikum Gruppe, nach eigener Aussage gelassen entgegen. Seine MVZ würden allesamt von Ärzten geführt.

Auch Otto sieht die Zukunft der medizinischen Versorgung in Kooperationen und stärkerer Vernetzung. "In einem MVZ mit mindestens 20 Ärzten und einem professionellen Management kann eine sehr hohe ärztliche Produktivität erreicht werden", zeigt er sich überzeugt.

Arbeiten angestellte Ärzte weniger produktiv?

Das sieht der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin, Uwe Kraffel, ganz anders. Die Produktivität eines im MVZ beschäftigten Arztes sei viel niedriger als die seines niedergelassenen Kollegen, behauptet er.

So versorgten seinen Angaben zufolge Berliner Augenärzte im ersten Quartal 2010 durchschnittlich 1228 Patienten. In den MVZ wurden laut Kraffel aber von einem Arzt nur 810 Patienten behandelt.

Zahl der Medizinischen Versorgungszentren steigen

Das gesamte Konzept der Medizinischen Versorgungszentren ist seiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt. "Solange es mündige Patienten gibt, wird die Idee eines großen Medizinischen Versorgungszentrums nicht funktionieren", glaubt Kraffel.

Denn Patienten würden ihren Arzt nach persönlichen Gesichtspunkten wie Vertrauen und nicht nach der besseren Erreichbarkeit oder besonders schneller Terminvergabe wählen.

Dessen ungeachtet wächst bundesweit die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren. Etwa die Hälfte dieser Versorgungszentren ist dabei zur Zeit in der Hand von Vertragsärzten, 40 Prozent werden von Krankenhäusern getragen.

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