Nahrungs-Supplementation

"Viel hilft viel – das ist eine Legende"

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller kritisiert mit Vitaminen und Mineralien überdosierte Nahrungsergänzungsmittel. Nur in Einzelfällen bräuchten Menschen eine Supplementation.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Vitamin D ist eines der Problemfelder bei der Ernährung.

Vitamin D ist eines der Problemfelder bei der Ernährung.

© harunyigit / stock.adobe.com

BERLIN. "Viel hilft viel – diese nach wie vor bei Verbrauchern verbreitete Einstellung zu Vitaminen und Mineralstoffen ist eine Legende, die längst widerlegt ist" – das sagte Dr. Rose Schraitle, Leiterin der Abteilung Arzneimittelzulassung und Arzneimittelsicherheit beim Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) am Dienstag in Berlin.

Gleichwohl würden Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln, insbesondere aus dem Ausland und im Internet, mit Aussagen wie "hoch dosiert" werben und damit beim Verbraucher den falschen Eindruck erwecken, diese Mittel seien besonders wirksam.

Als politische Konsequenz aus solchen irreführenden Verbraucherinformationen fordert der BAH die Umsetzung der EU-Richtlinie 2002/46/EG, die die EU-Kommission verpflichtet, Grenzwerte für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln festzusetzen.

Gegenwärtig gibt es dazu lediglich Empfehlungen nationaler Institutionen, zuletzt die Höchstmengenempfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung, die Anfang Januar publiziert worden ist. Eine Aussage über den Gesundheitsnutzen sei damit aber nicht verbunden, so Schraitle.

Supplementation nur im Einzellfall sinnvoll

Generell gelte, dass das deutsche Nahrungsmittelangebot im Durchschnitt bei ausgewogener Ernährung eine ausreichende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr gewährleistet, mit Ausnahme von Vitamin D, Folsäure insbesondere bei Schwangeren, Jod und Selen. Individuell kann aber, je nach Ernährungsgewohnheit, eine Supplementation sinnvoll sein.

Nach wie vor halte sich in der Bevölkerung die Meinung, besonders hohe Dosen von Vitaminen und Mineralstoffen hätten einen protektiven Effekt gegen schwere Krankheiten. Behauptet worden sei dies für Vitamin C g und Beta-Karotin als Schutz vor Herzinfarkt oder Lungen-Ca. Umfangreiche Studien hätten dafür keinen Nachweis erbracht, sondern hätten sogar wegen Risiken abgebrochen werden müssen, so Schraitle.

Gleichwohl werde dieser Mythos von manchen Anbietern, insbesondere im Internet, noch immer genutzt in der Absicht, mit hoher Dosierung eine hohe Wirksamkeit vorzutäuschen und den Verbrauchern Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein Gesundheitsrisiko sei damit – von Ausnahmen abgesehen wie etwa bei extrem hoch dosiertem Vitamin D – nicht verbunden.

Das Marktvolumen beziffert der BAH auf etwa eine Milliarde Euro, die Hälfte davon entfällt auf Apotheken. Etliche BAH-Mitgliedsunternehmen sind Hersteller von Vitamin- und Mineralstoff-Präparaten, die bis zum Wirksamwerden der 1. AMG-Novelle als Arzneimittel galten.

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