Viele Zappelphilippe werden nicht behandelt

BERLIN (af). ADHS ist keine Modekrankheit, sondern ernsthaft und belastend. Das ist der Tenor der Informationskampagne "ADHS und Zukunftsträume".

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In puncto früher und leitliniengerechter ADHS-Diagnostik liegt in Deutschland wohl noch einiges im Argen. Von 100 Verdachtsfällen würden 15 bis 20 Kinder fälschlicherweise als ADHS-Patienten eingeordnet, so Professor Martin Holtmann von der Ruhruniversität in Bochum.

Umgekehrt müssten internationalen Statistiken zufolge etwa drei bis fünf Prozent der Kinder ADHS haben. Das spricht für eine Unterdiagnostik. "Stimmt die Diagnose nicht, dann erfolgt auch nicht die richtige Behandlung", sagte Holtmann.

Gründe für die Fehldiagnosen seien Versäumnisse bei der Ausbildung von Ärzten und ein Mangel an Spezialisten. ADHS müsse für Kinder- und Jugendpsychiater sowie für Pädiater zum Pflichtfach für die Approbation werden, forderte Holtmann. Zusätzlich sollte schon bei den U-Untersuchungen auf Anzeichen von ADHS geachtet werden.

Eine Diagnose erfordert Gespräche mit den Kindern, den Eltern, den Lehrern und Erziehern. Dies koste viel Zeit, die die Ärzte derzeit nicht angemessen vergütet bekämen, sagte Holtmann. Ärzte und Kassen sollten Verträge zur qualitätsgesicherten Versorgung von ADHS-Kranken schließen, wie dies zum Beispiel in Baden-Württemberg bereits der Fall sei.

Kinder mit ADHS werden schon in der Schule häufig ausgegrenzt. Das beeinträchtige ihre Chancen auf eine vernünftige Ausbildung, hieß es zum Auftakt der vom Unternehmen Shire organisierten Kampagne.

Lesen Sie dazu auch: Experten fordern: ADHS-Diagnostik muss besser werden

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