Innovationen

Viele gute Ideen verschwinden im Nirwana

Innovationen müssen warten: Es wird noch dauern, bis Gelder aus dem Innovationsfonds fließen können, warnte BMG-Staatssekretär Stroppe beim BMC-Kongress. Internationale Erfahrungen zeigen, was möglich ist.

Von Martina Merten Veröffentlicht: 20.01.2016, 16:50 Uhr
Viele gute Ideen verschwinden im Nirwana

Ärzte und modernste Technik - das gehört seit langem unmittelbar zusammen.

© adam121 / fotolia.com

BERLIN. Eines stellte Staatssekretär Lutz Stroppe auf dem Kongress des Bundesverbands Managed Care (BMC) klar: "Ich habe kein Interesse daran, 2016 nur einen Cent der Mittel für den Innovationsfonds an den Bundesfinanzminister zurückzugeben."

Es sei ihm daran gelegen - jetzt, da es die Geschäftsstelle beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) gebe und der Expertenbeirat die Arbeit aufgenommen habe - schnell zu Ergebnissen zu kommen, wie die 300 Millionen Euro jährlich für innovative Versorgungsprojekte vergeben werden, so Stroppe .

Der GBA bräuchte aber Zeit, um die Förderkriterien festzulegen, räumte der Staatssekretär aus dem Bundesgesundheitsministerium vor den rund 500 Teilnehmern des Kongresses in Berlin ein.

Wichtig sei dem BMG, Versorgungsformen zu finden, die in allen Regionen tragen, jedem zugänglich sind und bei denen alle kooperieren.

Immerhin, an anderen Stellen scheint sich die Innovationsschraube etwas schneller zu drehen als in Deutschland. Beispiel Europäische Union (EU): Die EU-Kommission hat eine Art Roadmap entworfen - den Aktionsplan für elektronische Gesundheitsdienste 2012-2020.

Dieser Plan zielt auf die Beseitigung der Hindernisse bei der EU-weiten Einführung elektronischer Gesundheitssysteme ab. Außerdem soll eine breitere Interoperabilität der elektronischen Gesundheitsdienste hergestellt werden.

Schließlich, erläuterte Dr. Peteris Zilgavis, Leiter der Einheit "Health and Well Being" bei der Generaldirektion Kommunikationsnetzwerke bei der Kommission, seien intelligente, innovative Systeme wichtig, um die Behandlung von Menschen mit chronischen Erkrankungen zu verbessern und die Effizienz der Gesundheitssysteme zu steigern.

Innovative Technologien werden bald wichtige Rolle spielen

Zilgavis berichtete außerdem vom Grünbuch über Mobile-Health-Dienste. Dieses 2014 von der Kommission veröffentlichte Papier soll eine breite Diskussion über Hindernisse und Probleme beim Ausbau mobiler Health-Dienste einleiten.

Denn so wichtig die neue Technik sei, es müsse sichergestellt sein, dass Bürger Lifestyle und Gesundheits-Apps auch sicher nutzen können.

Beispiel Watson: Für Dr. Paul Grundy, Leiter des Bereichs "Transformationen im Gesundheitswesen" bei IBM, werden innovative Technologien für Ärzte sehr bald eine so wichtige Rolle spielen wie einst die Computertomografie oder der Ultraschall.

Weltweit wegweisend ist das IBM-Computerprogramm aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz. IBM entwickelte Watson, um auf Fragen in natürlicher Sprache automatisch Antworten geben zu können. Im Gesundheitswesen kann ein Arzt Watson zur Unterstützung bei der Diagnose oder zur Behandlung eines Patienten heranziehen.

Das System analysiert die Daten, die der Arzt ihm gibt und nutzt alle ihm vorliegenden Datenquellen. Es kann dabei Behandlungsrichtlinien, elektronische Krankenakten, Notizen von Ärzten und Pflegepersonal, Forschungsergebnisse, klinische Studien, Artikel in medizinischen Fachzeitschriften und Patientendaten in die für die Analyse verfügbaren Daten einbeziehen. Am Ende stellt Watson eine Liste mit möglichen Diagnosen.

An innovativen Ideen mangele es letztlich nicht, unterstrich Professor Thierry Carrel, Direktor der Uniklinik für Herz- und Gefäßchirurgie in Bern.

"Aber die wenigsten Ideen werden auch wirklich in der Regelversorgung umgesetzt. Die Welt der Innovationen ist wenig attraktiv."

Warum? Hochschulen, Industrie und Start-Offs kommunizieren nicht richtig miteinander, glaubt Carrel. Am Ende scheitere es meist am Geld.

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