Rheinland-Pfalz

Vom Datensatz zum Datenschatz

Die Kassenärztlichen Vereinigungen sitzen auf einem Datenschatz, den man für die Versorgungsforschung heben muss. In Rheinland-Pfalz wird das seit 2008 intensiv betrieben.

Christiane BadenbergVon Christiane Badenberg Veröffentlicht:
Wie geht es weiter mit der medizinischen Versorgung? Datenanalysen sollen helfen, diese Frage zu lösen.

Wie geht es weiter mit der medizinischen Versorgung? Datenanalysen sollen helfen, diese Frage zu lösen.

© hansgeel / Fotolia.

MAINZ. Es ist ein wahrer Datenschatz, auf dem die KV Rheinland-Pfalz sitzt.

Und Thomas Christ, Ressortleiter Versorgungsforschung der KV, gerät ins Schwärmen, wenn er von den Möglichkeiten spricht, die dieser Schatz bietet.

Für das Tagesgeschäft der KV, aber auch für die Beurteilung der Versorgung von morgen.

Seit 2008 hat die KV Rheinland-Pfalz die Versorgungsforschung gezielt aufgebaut. "Wir sind definitiv die KV mit den validesten Daten", sagt die Vorstandsvorsitzende der KV, Dr. Sigrid-Ultes Kaiser, nicht ohne Stolz.

Man habe erkannt, dass die KV auf einem riesigen Datenschatz sitze, der zwar von den Fachabteilungen genutzt werden konnte, wenn es aber darum ging, Prognosen zu treffen, war es kaum möglich, die Daten zusammenzuführen, sagt Christ.

Heute arbeitet der gelernte Geograph mit zwei weiteren Kollegen genau daran.

Nach außen hin sichtbarstes Ergebnis ist der Versorgungsatlas, der seit 2010 alle zwei Jahre erscheint und immer spezielle Themen in den Mittelpunkt rückt. 2012 zum Beispiel die Bevölkerungsentwicklung, die Zusammensetzung der Ärzteschaft und die Versorgungsstrukturen.

2014 soll er einen hausärztlichen Schwerpunkt haben und diesen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Berücksichtigt werden soll unter anderem die Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie die Frage, welchen Einfluss die Morbidität auf die Versorgung hat. Das alles runtergebrochen auf Stadt- und Kreisebene.

Solide Daten für die Kommunen

Außer dem Versorgungsatlas legt die KV auch Kreisatlanten auf. Hier wertet sie stringent für Regionen die gleichen Daten aus.

"Den Kommunen sollen solide Daten über die vorhandenen Strukturen in der vertragsärztlichen Versorgung gegeben werden", sagt Christ.

Dazu zählen der erwartete Nachbesetzungsbedarf an Hausärzten in der Kreisregion, eine Prognose der Hausarzt-Patientenzahlen bis zum Jahr 2030 oder eine Erhebung der Patientenzahlen nach Altersklassen und Inanspruchnahmeraten im Kreis.

"Wir bieten uns proaktiv an, indem wir den Kommunen ungefragt die Daten liefern", sagt Christ. Und die Resonanz sei sehr positiv.

Das Flächenland Rheinland-Pfalz hat viele ländliche Regionen, in denen sich schon jetzt ein Ärztemangel abzeichnet und gleichzeitig der Altersdurchschnitt der Bevölkerung steigt.

Die Analyse der aufbereiteten Daten in den Kommunen führt dann auch zu weitergehenden Kontakten. "Es gibt viele Treffen mit interessierten Gemeinden", berichtet Ultes-Kaiser. Gemeinsam will man Perspektiven gegen den Ärztemangel entwickeln.

Für die Arbeit der KV werden die zusammengeführten Daten unterschiedlich genutzt.

Ein Beispiel: Als es bei der Umstellung vom kollegialen Bereitschaftsdienst auf die Gründung von KV-geführten Bereitschaftsdienstzentralen (BDZ) darum ging, die geeigneten Standorte herauszufinden, habe man im Eifelkreis Bitburg-Prüm die vorhandenen Daten gut nutzen können.

Der Eifelkreis ist der flächenmäßig größte und gleichzeitig am dünnsten besiedelte Landkreis in Rheinland-Pfalz.

Bevölkerungsdichte als relevanter Faktor

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An drei Standorten gibt es Krankenhäuser. Dass die BDZ an einer Klinik angesiedelt werden sollte, war klar. Die Frage war nur, an welcher? Die beste Lösung: Die Klinik auswählen, von der man aus möglichst viele Menschen erreichen kann.

Also wurde die Bevölkerungsdichte in die Standortsuche einbezogen. Danach war klar, alles spricht für Bitburg. Aber auch wenn es darum geht, eine Zweigpraxis zu genehmigen, helfen die Daten, sagt Ultes-Kaiser.

Die Vorstandschefin gibt zu, dass der Effekt, konkrete Maßnahmen aus den Daten zu ziehen, bislang noch nicht sehr ausgeprägt sei.

Andererseits berichtet sie, dass eine Konsequenz aus der Analyse der Altersstruktur der Ärzte ist, gezielt Medizinstudenten anzusprechen und für Famulaturen auf dem Land zu werben.

"Aber es ist manchmal frustrierend, weil wir keine Ärzte backen können", so die KV-Chefin. Aufschlussreich sei die Analyse der Patientenströme. "Die verlaufen oft ganz anders, als man vermuten würde", hat Ultes-Kaiser festgestellt.

So werde nicht immer die nächste Praxis oder Klinik aufgesucht. In manchen Regionen würden Patienten Wege zurücklegen, die dreimal so lang sind.

Das könne am Arbeitsplatz, aber auch an den Ärzten liegen. Diese Hinweise sollen gezielt genutzt werden, um herauszufinden, wo genau Nachwuchs benötigt wird.

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