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COVID-19

Von Corona gestresst: Tausende Ärzte streiken in Spanien

Spaniens Ärzte fühlen sich in der anlaufenden zweiten COVID-Welle allein gelassen. Fast ein Viertel dachte bereits im Frühjahr übers Aufhören nach.

Manuel MeyerVon Manuel Meyer Veröffentlicht:
Spanische Ärzte demonstrieren am Montag in Barcelona für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Versorgung in der Corona-Krise.

Spanische Ärzte demonstrieren am Montag in Barcelona für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Versorgung in der Corona-Krise.

© Matthias Oesterle/dpa

Madrid. Vor einer Woche demonstrierten Tausende Ärzte in Madrid. Am Dienstag startete der katalanische Ärzteverband sogar einen viertägigen Streik. Fast 6000 Ärzte legen die Arbeit in den kommenden Tagen nieder. Nur Notfälle und schwere COVID-Patienten werden behandelt. Auch in Valencia plant der regionale Ärzteverband ähnliche Proteste. Spaniens Ärzteschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen, bessere Gehälter und mehr Personal – vor allem in der aktuell schweren Krisenzeit mit rasant steigenden Corona-Zahlen.

„Im Frühling war es die erste COVID-Welle, im Sommer mussten alle aufgeschobenen Operationen und Behandlungen nachgeholt werden und jetzt rollt die zweite COVID-Welle an. Wir sind am Limit. Vor allem psychologisch. Der Arbeitsdruck ist enorm“, versichert Cesar Carballo, stellvertretender Leiter der Notfallstation im Madrider Ramón y Cajal Krankenhaus.

Jüngste Studien geben ihm Recht. Laut einer Umfrage des Ärzteverbunds Barcelona (CoMB) dachten rund 24 Prozent der Ärzte in Spanien im Zuge der hohen Arbeitsbelastung und des psychologischen Drucks während der COVID-Krise darüber nach, sich beruflich anders zu orientieren. Rund sieben Prozent der spanischen Ärzteschaft bedurften sogar psychologischer Hilfe, um der Situation standzuhalten.

Ärzten fehlt nationale Strategie

Das Problem: „Im Sommer wurde kaum etwas seitens der Regierung unternommen, um besser für die zweite COVID-Welle gerüstet zu sein. Die Intensivstationen vieler Krankenhäuser sind bereits wieder über 100 Prozent belegt. Es gibt weder mehr Personal noch klare Protokolle oder ausreichend Kontakttracer zur Nachverfolgung der Infektionsketten. Von einer nationalen Strategie ganz zu schweigen“, erklärt Cesar Carballo.

Kein Wunder also, dass derzeit insbesondere die Verteilung des Corona-Hilfsfonds für Unmut unter der Ärzteschaft sorgt. Die spanische Zentralregierung von Pedro Sánchez stellt den einzelnen Regionen insgesamt 16 Milliarden Euro im Kampf gegen die Corona-Pandemie und zur Bewältigung ihrer Folgen in einem Sonderfonds zur Verfügung. Doch sogar besonders hart von der zweiten COVID-Welle erfasste Regionen wie Madrid haben lediglich 47 Prozent ihres Anteils auch in die Stärkung des Gesundheitssystems investiert.

Infektionszahlen schnellen nach oben

Unterdessen steigen die Corona-Infektionszahlen in Spanien kontinuierlich an, derzeit liegt der Wert der Neuinfektionen innerhalb von 14 Tagen im Schnitt bei 263 pro 100.000 Einwohner. In zahlreichen Regionen wie Madrid oder Navarra liegt er sogar bei über 500. Europas Corona-Hotspot Spanien registrierte seit Ausbruch der Pandemie bereits über 880.000 Infektionsfälle und über 33.000 COVID-Opfer.

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