Kammerwahl in Nordrhein

Wahlwerbung sorgt für Unmut

Eine Wahlwerbung des Marburger Bundes für die Kammerwahl in Nordrhein sorgt für Verärgerung. Vertreter niedergelassener Ärzte bezweifeln jetzt, dass MB-Spitzenkandidat Henke künftig für die Interessen aller Ärzte eintreten würde.

Veröffentlicht: 19.05.2014, 06:06 Uhr

KÖLN. Bei den Kammerwahlen in Nordrhein ärgern sich niedergelassene Ärzte über die Wahlwerbung des Marburger Bundes (MB) unter ihrem Spitzenkandidaten Rudolf Henke, der zum zweiten Mal Präsident der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo) werden möchte.

Die Äußerungen Henkes ließen bezweifeln, dass er bei einer Wiederwahl uneingeschränkt für die Interessen der niedergelassenen Ärzte eintreten würde, kritisiert Uwe Brock, der für das "Ärztebündnis Nordrhein" ins Rennen um einen der Sitze in der Kammerversammlung geht.

Was Brock sauer aufstößt: In einem Wahlaufruf beklagen Henke und der MB-Landesvorsitzende Professor Gisbert Knichwitz, dass die angestellten Ärzte in der Kammerversammlung nicht die Mehrheit haben, obwohl sie doch die Mehrheit der nordrheinischen Ärzte stellten: "Niedergelassene sind bisher noch überrepräsentiert in der Ärztekammer Nordrhein."

Gleichzeitig verweisen sie auf die Vielzahl der Listen von "Interessenvertretungen niedergelassener Ärzte" und die möglichen negativen Folgen. "Es droht eine lähmende Zersplitterung unseres Ärzteparlamentes", warnen die MB-Vertreter.

"Wer so etwas sagt, kann nicht mehr behaupten, dass er für alle Ärzte steht", sagt Brock, der im Vorstand der ÄKNo sitzt.

Angst vor Machtverlust?

Es ist in Nordrhein Tradition, dass alle Fraktionen an der Vorstandsarbeit beteiligt werden und nicht nur diejenigen, die den Präsidenten und den Vizepräsidenten stellen - das sind zurzeit der MB und der Zusammenschluss VoxMed.

Die Zusammenarbeit im Vorstand laufe gut, betont Brock. "Es gibt viele sachorientierte Entscheidungen über Fraktionsgrenzen hinweg."

Umso mehr ärgert ihn die Wahlpolemik des MB. Er sieht in ihr ein Zeichen, dass der Verband Angst vor einem Machtverlust hat. "Die Tradition, dass in Nordrhein der MB den Präsidenten stellt, könnte gebrochen werden."

Der Hausarzt aus Mülheim, der dort Vorsitzender der ÄKNo-Kreisstelle ist, hofft, dass sich in der nächsten Legislaturperiode eine Mehrheit findet, die keine Partikularinteressen vertritt.

Um alte Fronten aufzubrechen, treten viele Ärzte der aktuellen Fraktion "Freie Selbstverwaltung" bei der Wahl unter dem neuen Namen "Ärztebündnis Nordrhein" an. (iss)

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Kommentare
Dr. Wolfgang Bensch

Kungel-Tradition oder was?

Die Machtposition des MB liegt darin begründet, dass er eine gewerkschaftliche Vertretung darstellt und nicht so ein "zahnloser Tiger" ist, wie wir sie bei den Körperschaften in Massen hinter "staatlichen Gittern" herumlaufen sehen.


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