Kommunale Kliniken

Warnung vor Wettbewerb um Pflegekräfte

Kommunale Großkliniken fürchten wegen Pflegepersonalstärkungsgesetz, im Tauziehen um Fachkräfte auf der Strecke zu bleiben.

Veröffentlicht: 22.08.2019, 07:09 Uhr

BERLIN. Das Pflegepersonalstärkungsgesetz schafft Fehlanreize und fördert ineffiziente Versorgungsstrukturen. Davor warnt die Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Großkrankenhäuser (AKG). Sie übt scharfe Kritik an den Pflegebudgets und fordert, dass Strukturveränderungen nicht allein von Arbeitsplatzentscheidungen der Pflegekräfte abhängen dürfen.

Die kommunalen Großkliniken prognostizieren goldene Zeiten für Pflegekräfte. Mit Blick auf die Einführung der Pflegebudgets sei absehbar, „dass sich zwischen den verschiedenen Krankenhausträgern ein Wettbewerb um den höchstmöglichen Tarifabschluss für das Pflegepersonal herauskristallisieren wird“, teilte die AKG mit. Sie geht zudem davon aus, dass besser bezahlte und flexible Leiharbeit in der Pflege zunimmt.

Hier seien Gegenmaßnahmen gefordert. Die innerstädtischen Großkrankenhäuser, etwa in Berlin, Köln, München oder Stuttgart, fürchten weitere Nachteile im Wettbewerb um Fachkräfte. Denn sie könnten wohnortnahe Arbeitsplätze am Stadtrand oder im Umland bevorzugen.

„Die Krankenhäuser stehen vor einem unlösbaren Dilemma“, meint die AKG. Sie sieht die kommunalen Großkrankenhäuser in der Zwickmühle zwischen einem leergefegten Arbeitsmarkt und den Anforderungen der Pflegepersonaluntergrenzen und der Pflegebudgets. In der Folge warnt sie vor Versorgungslücken. Schon jetzt würden Kliniken systematisch intensivmedizinische Betten abmelden, damit sie die Personaluntergrenzen einhalten.

Durch die Pflegebudgets sehen sich die Großkliniken zudem gegenüber kleineren Häusern finanziell benachteiligt. „Kurzfristig profitieren vor allem jene Einrichtungen mit kleinen und wenig spezialisierten Stationen, einer geringen Arbeitsteilung und geringer Digitalisierung, weil ihnen die überdurchschnittlichen Personalkosten des Pflegedienstes in vollem Umfang vergütet werden“, so die AKG.

Die AKG fordert daher eine politische Auseinandersetzung über gesellschaftlich wünschenswerte und wirtschaftlich tragfähige Krankenhausstrukturen, die die verschiedenen Versorgungsstufen berücksichtigen. (ami)

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