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Gastbeitrag

Was Ärzten wirklich fehlt

Angeblich geht es bei Ärzteprotesten nur ums Geld. Das ist falsch, die Motive sind viel komplexer, meint Dr. Peter Schwoerer.

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Dr. Peter Schwoerer, ehemals KV-Vorsitzender in Südbaden, war von 1973 bis 1997 als Hausarzt niedergelassen; dann Leitender Arzt beim MDK. Seit 2005 ist er Vorsitzender des Gemeinsamen Beschwerdeausschusses Baden-Württemberg.

Dr. Peter Schwoerer, ehemals KV-Vorsitzender in Südbaden, war von 1973 bis 1997 als Hausarzt niedergelassen; dann Leitender Arzt beim MDK. Seit 2005 ist er Vorsitzender des Gemeinsamen Beschwerdeausschusses Baden-Württemberg.

© KVBW

Die Drohung hat gewirkt. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat sich über das Honorar geeinigt - viele Vertragsärzte bleiben weiterhin unzufrieden - zu Recht.

Zurückbleiben dürfte bei vielen Ärzten Resignation - keine Haltung, die es leicht macht, den knappen ärztlichen Nachwuchs vom Beruf zu begeistern.

Die Gründe für diese prekäre Lage der Ärzteschaft sind komplex - komplexer, als sie in den Medien meistens dargestellt wird.

Das Tun und Handeln von Menschen resultiert in der Regel aus drei Motiven: Freude am Beruf, soziale Anerkennung und Geld. Das letztgenannte Motiv steht in der öffentlichen Diskussion im Fokus - die anderen beiden werden regelmäßig vernachlässigt.

Die Freude am Beruf wird Ärzten durch viele Faktoren genommen - in der Klinik beispielsweise durch ein bürokratisches DRG-System, in der Praxis durch Überreglementierung.

Die diffuse Bedrohung durch Regresse, ständig wechselnde EBM-Bedingungen, intransparente sachlich-rechnerische Berichtigungen sind dafür nur Stichworte.

Die soziale Anerkennung von Ärzten schwindet in dem Maße, in dem die Verantwortung für das Morbiditätsrisiko, Finanzbudgets und forensische Bedrohung die Verantwortung für den Patienten aus dem Fokus des ärztlichen Handelns verdrängt - dies umso mehr, als Politiker und leider auch Wissenschaftler tatsächliche und angebliche Versorgungsdefizite des Systems den Ärzten anlasten.

Das Kampfgeschrei von Politikern, Funktionären und Verbandsvertretern lenkt allerdings von hausgemachten Versäumnissen ab - und die sind gravierend.

Politisch verordneter, von der KBV geförderter Zentralismus lähmt die Initiativen, Versorgungs- und Honorarfragen in den Bundesländern vor Ort zu lösen. Bestes Beispiel ist das sozialistische Einheitsbudget des Gesundheitsfonds.

Am Abbau von Bürokratie arbeiten

Seit über 20 Jahren befördert die Bundesärztekammer eine fortschreitende Fragmentierung der Medizin in immer neue Subspezialitäten, die zu Lasten der patientenorientierten Gesamtschau geht.

Ein Nachweis, dass diese Spezialisierung und die damit verbundenen Mehrkosten zu einer besseren Patientenversorgung führen, wurde nicht erbracht.

Dies nehmen viele haus- und fachärztliche Kollegen als fundamentalen Bedeutungsverlust wahr: als den Verlust der Kompetenz, Patientenprobleme tatsächlich zu lösen.

Besonders Hausärzten wird auch durch ihre Honorierung signalisiert, sie seien nur noch zu einer betreuenden Basismedizin befähigt.

Aber auch Fachärzte stehen in immer härterem Wettbewerb mit Klinikambulanzen oder Versorgungszentren.

Erschwerend kommt bei Fachärzten hinzu, dass der medizinische Fortschritt nur zu einem Teil in den ambulanten GKV-Leistungskatalog eingeht. Bieten Fachärzte dann sinnvolle Leistungen als IGeL an, ist ihnen herbe Kritik gewiss.

Innerärztlich, aber auch in der breiten Öffentlichkeit, fehlt der von der KBV gesteuerten Umverteilung des Honorars zu Gunsten einzelner hochspezialisierter Facharztgruppen (oder sogar nur Teilen von Facharztgruppen) immer mehr die Akzeptanz.

Fakt ist, dass Arztgruppen, die für die Basisbetreuung ihrer Patienten verantwortlich sind, nicht mehr den Zeitaufwand honoriert bekommen, den sie bräuchten, um ihre Aufgaben entsprechend ihrer Qualifikation gewissenhaft und in vollem Umfang erfüllen zu können.

Umgekehrt fokussiert sich die Kritik der Medien auf sehr gut verdienende Arztgruppen, deren Bedeutung für die Patientenversorgung aber nachrangig ist. Dies ist die offene Flanke der Ärzteschaft.

Hoffen wir, dass der angekündigten Verbesserung der Honorare auch eine bürokratische Entlastung aller Ärzte folgen wird.

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