Junge Ärzte im Hartmannbund

Webfehler im Gesundheitssystem jetzt angehen!

Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, wo es im deutschen Gesundheitswesen klemmt – und dass Veränderungen möglich sind. Junge Ärzte fordern daher zum gesellschaftlichen Dialog auf.

Von Rebekka Höhl Veröffentlicht: 17.06.2020, 13:20 Uhr
Webfehler im Gesundheitssystem jetzt angehen!

Notaufnahmen blieben in der Pandemie plötzlich leer. Hier gilt es, die Gesundheitskompetenz der Bürger zu stärken, fordern junge Ärzte. Denn viele blieben auch trotz schwerer Erkrankungssymptome den Kliniken fern.

© Hauke-Christian Dittrich / dpa / picture alliance

Berlin. Die Bewältigung der COVID-19-Pandemie habe die Blicke auf einige schon lange bestehende Fehlentwicklungen, aber auch auf noch nicht vollends ausgeschöpfte Potenziale des Gesundheitswesens gelenkt, sagt Theo Uden, Hartmannbund-Vorstandsmitglied und Vertreter der Assistenzärzte des Verbandes. Diese „systematischen Webfehler“ müssten nun gemeinsam angegangen werden.

Die jungen Ärztinnen und Ärzte im Hartmannbund fordern daher einen breiten gesellschaftlichen Dialog – und zwar unter Beteiligung der Pflege, Ärzteschaft und weiteren Akteuren des Gesundheitswesens.

Mehr Zuwendung, weniger Gewinnorientierung

Dabei haben sie in einem Positionspapier unter anderem folgende Problemfelder ausgemacht:

  • Profitorientierung des Gesundheitswesens korrigieren: Nach Meinung der jungen Ärzte, und damit stehen sie nicht alleine da im berufspolitischen Umfeld, gehört das DRG-System überdacht. „Die Vergütung einzelner Fälle mit einer Pauschale hat zu massivem Personalabbau und Einsparungen an falscher Stelle geführt und bietet zugleich einen Anreiz für die Durchführung ,besser finanzierter‘ Prozeduren“, bemängeln sie.
  • Dabei habe die Pandemie gezeigt, dass es für eine gute Versorgung an bestimmten Stellen Überkapazitäten brauche. Diese müssten daher auch außerhalb von akuten Notlagen angemessen vorgehalten und finanziert werden. Denkbar wäre etwa, das Finanzierungssystem der freigehaltenen Betten auch nach der Krise zum Beispiel auf einem Niveau von fünf Prozent der absoluten Bettenkapazität weiterzuführen, heißt es.
  • Bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung für Pflegende, Ärzte und andere Gesundheitsberufe: Die nun beschlossenen Sonderzahlungen etwa für die Pflege würden von den beteiligten Berufsgruppen „als nette Geste, aber gleichzeitig auch als Hinhaltetaktik“ wahrgenommen, kritisieren die jungen Ärzte. Die Krise habe in vielen Gebieten glücklicherweise bisher keine massive Überlastung des Gesundheitspersonals nach sich gezogen. Es sei jedoch deutlich geworden, welche „immense Erwartungen“ Politik und Gesellschaft an das medizinische Personal stellen. Diese Erwartung müsste entsprechend auch gute Arbeitsbedingungen und insbesondere in den pflegenden Berufen eine Anpassung des Gehaltsgefüges nach sich ziehen, so die Forderung.
  • Neue Mündigkeit der Patienten schaffen: Die jungen Ärzte nehmen eine ungewöhnliche Situation in den Notaufnahmen wahr. „Derzeit stellen sich viele kranke Patienten aufgrund von Angst vor einer möglichen Infektion nicht vor, jedoch bleiben auch viele Patienten fern, die auch vorher nicht in einer Notaufnahme versorgt werden mussten.“ Um Unterversorgung und eben auch unnötige Besuche in der Notaufnahme zu verhindern, müsse die Gesundheitsbildung massiv ausgeweitet werden, etwa als Bestandteil des Schulunterrichts.
  • Digitalisierung schneller in Regelversorgung bringen: Durch die Krise würden derzeit im Eiltempo viele Elemente der digitalen Medizin in der Regelversorgung umgesetzt. Etwa die breitere Anwendung der Videokonsultation. Die jungen Ärzte fordern, diesen digitalen Schub zu nutzen und schon bisher neu oder verstärkt genutzte digitale Formate konsequent auszuwerten, weiterzuentwickeln und vor allem ohne Rückschritte auch künftig für die Regelversorgung zu erhalten.
  • Rolle der Zuwendung neu definieren: „Wir sollten es uns leisten, die Zuwendung als neuen Maßstab guter Medizin zu definieren und neben Heilungserfolg als klare Währung zukünftiger Finanzierungssysteme zu etablieren“, lauten die deutlichen Worte der jungen Ärzte. Dabei müsse die Zuwendung auch bei neuen, zum Beispiel digitalen, Behandlungsformen eine relevante Rolle spielen.

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