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Kampf gegen Polypharmazie

Weniger ist meistens mehr

Weniger Arzneien, niedrigere Dosen, eine kürzere Verordnungsdauer: Professor James McCormack gibt Ärzten Tipps, wie sie Polypharmazie im Praxisalltag angehen können. Bekannt ist der Kanadier durch seine unterhaltsamen Online-Videos.

Von Jana Kötter Veröffentlicht:
„Choosing wisely“: Mit seiner Parodie von Pharrell Williams Song „Happy“ will Professor James McCormack ein breites Bewusstsein schaffen.

„Choosing wisely“: Mit seiner Parodie von Pharrell Williams Song „Happy“ will Professor James McCormack ein breites Bewusstsein schaffen.

© Screenshot Youtube

FRANKFURT/MAIN. Im Kampf gegen Polypharmazie geht es nicht nur darum, weniger Arzneien, sondern auch geringere Dosen zu verordnen. "Die richtige Dosis ist die niedrigste Dosis, die die erwünschte Wirkung zeigt", betonte Professor James McCormack in der Frankfurter Vorlesungsreihe "Was hilft heilen?".

Der kanadische Professor für Pharmazie, der durch seinen YouTube-Kanal bekanntgeworden ist, hat die außergewöhnliche Ringvorlesung des Instituts für Allgemeinmedizin mit seinem Vortrag beendet. Insgesamt fünf Abende haben Studierende in dieser außergewöhnliche Perspektiven auf Gesundheit und Heilung eröffnet bekommen; den Auftakt machte Dr. Eckart von Hirschhausen (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Mit eigenen Kompositionen und Online-Videos zum Thema Polypharmazie – etwa "Bohemian Polypharmacy" statt Queen's Klassiker "Bohemian Rhapsody" – verdeutlichte McCormack vor den angehenden Ärzten, wie sie Polypharmazie in ihrem künftigen Praxisalltag angehen können. Schritt eins sei das ausführliche Medikamentenreview. Dabei gehe es darum, Medikamente zu identifizieren, priorisieren und zu prüfen, ob die Dosis verringert oder das Medikament gar ganz abgesetzt werden kann. "Lassen Sie zu, dass der Patient Ihnen hilft", plädierte McCormack, den Patienten in die Therapie einzubinden (Shared Decision Making).

Ein bedeutendes Problem sei, dass Dosierungsempfehlungen in vielen Fällen zu hoch angesetzt seien. McCormack sieht das auch im Design von Arzneimittelstudien begründet: Aus finanziellen Gründen müssten diese sofortige Wirkung zeigen, weshalb die Dosis zum Teil höher gewählt werde, als in der Versorgungsrealität nötig sei. "Die empfohlenen Startdosen sind dann oft zu hoch", kritisierte der Kanadier. Dabei seien 75 Prozent der Nebenwirkungen dosisabhängig.

Auch darüber hinaus gelte es, gewohnte Denkmuster zu durchbrechen. Etwa, wenn es zur Verordnung von Antibiotika kommt: Übliche Muster wie ein Zehn-Tages-Zeitraum, die sich an der Packungsgröße orientieren, müssten überdacht werden, so McCormack. Würden Antibiotika unangemessen lange eingenommen, könnten Resistenzen gefördert werden. Darum müsse die neue Faustregel sein, so kurz wie möglich zu verordnen. "Fühlt sich der Patient drei Tage lang gut, kann er das Antibiotikum absetzen", betonte der Professor für Pharmazie an der Universität British Columbia in Vancouver.

Ärzte müssten dabei einen gewissen Teil Nichtwissen und den Wandel der wissenschaftlichen Evidenz akzeptieren, betonte McCormack. Als er studierte, seien Betablocker bei Herzschwäche noch kontraindiziert gewesen – mittlerweile schon lange das Mittel der Wahl.

Eine Erinnerung, die Veranstalter Professor Ferdinand Gerlach teilt. Zum Abschluss der Vorlesungsreihe zog der Leiter der Allgemeinmedizin in Frankfurt ein positives Fazit: Die Studierenden hätten großes Interesse gezeigt und am Rande der Veranstaltungen viel diskutiert, beobachtete er. Ziel war es, den Blick "rechts und links des Lehrplans" zu ermöglichen und Denkanstöße mit auf den Weg zu geben, die das Arztsein reflektieren lassen. "Das ist gelungen."

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