Mehrstufiges Förderprogramm

Wie Niedersachsen Ärzte locken will

Mit einem Förderprogramm will die KV Niedersachsen mehr Ärzte für eine Praxis auf dem Land begeistern. KV und Kassen teilen sich die Kosten.

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 15.12.2015, 06:06 Uhr
Wie Niedersachsen Ärzte locken will

In Niedersachsen fehlen Haus- und Fachärzte. Ein Förderprogramm der KV soll nun dabei helfen, die freien Sitze zu besetzen.

© vielfalt21 / fotolia.com

HANNOVER. Die KV Niedersachsen will dem Ärztemangel "mit einem mehrstufigen Förderprogramm zu Leibe rücken", teilt die KVN am Montag mit. Vor allem sollen Landärzte gefördert werden. Das hat die Vertreterversammlung der KVN in Hannover einstimmig auf ihrer Herbstsitzung beschlossen.

Das Programm löst die bisher gültige gemeinsame Förderung von KVN und dem Land Niedersachsen ab. Es zahlen nur noch die KVN und die Kassen, nicht aber das Land.

Wer sich auf dem Lande niederlässt, erhält ab dem 1. Januar 2016 Geld aus einem Strukturfonds, den die Krankenkassen und die KVN je zur Hälfte bestücken.

Ärzte und Psychotherapeuten, die sich in bestimmten Regionen Niedersachsens niederlassen, sollen bis zu 60.000 Euro Investitionskostenzuschüsse bei Neugründung oder Übernahme einer Praxis erhalten. In Landstrichen, wo ärztliche Unterversorgung droht oder bereits eingetreten ist, können sogar bis zu 75.000 Euro Investitionskostenzuschüsse fließen.

Neue Praxen, die in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebieten ihre Arbeit aufnehmen, erhalten in der Startphase zwei Jahre lang über den Strukturfonds eine Umsatzgarantie in Höhe des Fachgruppendurchschnitts.

Zuschuss bis maximal 37.500 Euro

Geld aus dem Strukturfonds für bestimmte Regionen gibt es künftig auch für die Gründung von Zweigpraxen, so die KVN, und zwar einen Investitionskostenzuschuss in Höhe von maximal 30.000 Euro in Gebieten, in denen Unterversorgung droht, und von maximal 37.500 Euro in unterversorgten Gebieten.

Für die Beschäftigung von Weiterbildungsassistenten legen die Kassen und die KVN noch einmal zusätzlich 1000 Euro im Monat auf den Tisch, vorausgesetzt, die Praxen liegen in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebieten. Der geförderte Assistent muss dann nach seiner Weiterbildungszeit mindestens fünf Jahre in einem entsprechenden Gebiet arbeiten.

Schließlich erhalten Medizinstudenten einmalig 400 Euro, wenn sie einen Teil ihrer Famulatur in einer Kassenarztpraxis absolvieren.

Für den Fonds zweigen Ärzte und Krankenkassen je 0,1 Prozent der morbiditätsorientierten Gesamtverfügung ab. "Das sind über vier Millionen Euro jährlich", so der KVN-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch. "Damit können wir viel bewegen!"

325 freie Hausarztsitze

Den Durchbruch zur Errichtung eines Strukturfonds habe das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz gebracht, so die KVN, indem es die Förderung nicht mehr davon abhängig macht, dass der Landesausschuss Ärzte/Krankenkassen die Unterversorgung in einem Gebiet offiziell feststellt, so die KV Niedersachsen.

Der Ausschuss habe nur sporadisch getagt "und nur dann Unterversorgung festgestellt, wenn die Lage bereits kritisch geworden war", so ein Sprecher der KVN.

"Jetzt können wir bereits fördern, wenn eine Unterversorgung im Anmarsch ist." In Niedersachsen gibt es zurzeit 325 freie Hausarztsitze und 89 freie Facharztsitze.

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