Kommentar zur Unabhängigen Patientenberatung

Will irgendjemand die UPD noch einmal ausschreiben?

Das Ausschreibungsmodell für die Unabhängige Patientenberatung ist nicht mehr zu halten. Eine Dauerlösung muss her.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:

Die Reform der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) vor fünf Jahren ist gescheitert. Der seither privaten Trägerschaft ist es nicht gelungen, ausreichend Vertrauen aufzubauen, um die Beratungszahlen zu steigern und darüber ein positives Bild dieser wichtigen Institution zu zeichnen.

Vertrauen ist aber das Produkt, das an dieser Stelle vertrieben wird. Und mehr davon zu erzeugen, war die Voraussetzung für den 2015 von der Politik angestrebten Wechsel der Strukturen. Der damalige Patientenbeauftragte Karl Josef Laumann hatte sich von dem Konzept der privaten Sanvartis GmbH einen höheren Bekanntheitsgrad für die Berater versprochen.

Verlorenes Vertrauen

Es ist schief gegangen. Die Privatisierung und die Meldungen über den 2018 erfolgten Verkauf der Sanvartis an eine andere Firma haben die Beliebtheit der ursprünglich einmal von Patientenorganisationen gegründeten Beratung nicht weiter gefördert. Der Bundesrechnungshof stellte zwischenzeitlich fest, die Abhängigkeit „in wirtschaftlicher, organisatorischer und teilweise personeller Hinsicht“ sei geeignet, den Eindruck fehlender Unabhängigkeit und Neutralität in der Beratung hervorzurufen.

Von den angestrebten 225.000 Beratungen im Jahr sind 2019 nur 130.000 erreicht worden. Die Stiftung Warentest nannte nach einer Stichprobe die Arbeit der Berater auch nach fünf Jahren im privaten Gewand im Juni verbesserungswürdig, die Qualität der Antworten sei vom jeweiligen Berater abhängig. Patientenorganisationen und die Verbraucherzentrale Bundesverband warnen davor, dass das Vergabeverfahren regelmäßig zum Verlust von Wissen und Erfahrung führe.

Neuanfang tut not

Ein Gutachter der Universität Regensburg hat erst im September den Daumen gesenkt und zur Rückkehr der UPD zur gemeinnützigen Trägerschaft geraten. Ärzte sehen die gegenwärtige Konstruktion kritisch. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen sprach schon 2018 davon, dass nur ein kompletter Neuanfang das verloren gegangene Vertrauen in die UPD wieder herstellen könne.

Noch ist Zeit, das Modell einer voll von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten privaten Patientenberatung wieder aufzugeben und zu einer Dauerlösung mit einer anderen, möglichst gemeinnützigen Struktur zu wechseln. Aber: Die Uhr tickt. In zwei Jahren endet die laufende Förderperiode und die UPD muss neu ausgeschrieben werden.

Die Frage lautet: Will das irgendjemand wirklich noch einmal?

Schreiben Sie dem Autor: anno.fricke@springer.com

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