MDK-Bericht

Zahl bestätigter Fehler nimmt ab

Bei 30 Prozent der vermuteten Behandlungsfehler sind Patienten tatsächlich zu Schaden gekommen.

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BERLIN/POTSDAM. Weniger als ein Drittel der vermuteten Behandlungsfehler in Berlin und Brandenburg hatten im vergangenen Jahr negative Folgen für die Gesundheit der Patienten (29,9 Prozent). Das hat der Medizinische Dienst der Krankenkassen Berlin-Brandenburg (MDK-BB) mitgeteilt.

Insgesamt hat der MDK-BB im vergangenen Jahr 1682 Behandlungsfehler-Gutachten erstellt. Das waren weniger als im Vorjahr (2014: 1759). Bei 36,5 Prozent der Gutachten hat der MDK Behandlungsfehler bestätigt (614 Fälle). Auch diese Rate sank im Vergleich zu 2014 (37,9 Prozent). Die meisten Vorwürfe beobachteten die Gutachter wie in den Vorjahren bei den operativen Fächern, allem voran der Orthopädie und Unfallchirurgie. "Fehler bei Operationen fallen naturgemäß schneller auf", sagt MDK-BB-Chef Dr. Axel Meeßen.

Der MDK in der Hauptstadtregion bietet Ärzten und Kliniken einen sogenannten Qualitätsdialog an. Seit 2014 wertet er dafür alle bestätigten Behandlungsfehler systematisch aus. Dabei werden gehäuft auftretende Fehler oder fehleranfällige Prozessabläufe identifiziert. "Die Analyse zeigt, dass es weiterhin besonders in den Prozessabläufen und in der Kommunikation zwischen den jeweils beteiligten Ärzten Möglichkeiten gibt, relativ schnell Verbesserungen in der medizinischen Versorgung zu erzielen", so Meeßen.

Systematische Verbesserungsmöglichkeiten sehe der MDK-BB vor allem beim Komplikations- und Organisationsmanagement. Die Analysen des MDK-BB sind für manche Kliniken hilfreich.

Der unfallchirurgische Chefarzt und Ärztliche Direktor des Vivantes-Klinikums Neukölln Privatdozent Dr. Reinhold Laun: "Wir erleben den MDK als fachlich kompetenten Partner, dessen Erfahrungen wir in unser Qualitätsmanagement einspeisen können.

" Das gelte sowohl für die Betrachtung von Einzelfällen, als auch für die Überprüfung von Strukturen und Prozessen zur Fehlervermeidung.Auch Dr. Birgit Didczuneit-Sandhop, Chefärztin HNO, Gesichts- und Halschirurgie des Städtischen Klinikums Brandenburg betont die Vorteile des sogenannten Qualitätsdialogs: "Hier wird beispielhaft über institutionelle Grenzen hinweg offen und professionell Wissen geteilt, zum Nutzen für Patienten." (ami)

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