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Zahl der Vorsorgekoloskopien steigt in Sachsen

Viele Patienten fürchten die Koloskopie. Eine Initiative von Gastroenterologen kämpft seit vier Jahren dagegen an - mit Erfolg.

Von Thomas Trappe Veröffentlicht:

DRESDEN. An die 150.000 Untersuchungen werden es in den vergangenen fünf Jahren gewesen sein, schätzt der Gastroenterologe Dr. Gerhard Heptner. Dass es so eine beachtliche Zahl ist, liege auch an der Initiative, der Heptner vorsteht: Sachsen gegen Darmkrebs.

Vor vier Jahren wurde sie von Gastroenterologen des Freistaats gegründet, mit dem Ziel, die Zahl der Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen zu erhöhen. Das sei gelungen, sagt Heptner. Mehr als zwanzig Prozent der anspruchsberechtigten Patienten kämen inzwischen, um eine Koloskopie vornehmen zu lassen, 2007 seien es noch rund fünf Prozent weniger gewesen.

Konkret hieße das, dass bei jedem hundertsten Anspruchsberechtigten heute ein Frühkarzinom entdeckt werden kann, dass vor Start der Initiative erst in einem späteren Stadium gefunden worden wäre.

Ab dem 50. Lebensjahr haben GKV-Versicherte Anspruch auf eine Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung. Durch die Initiative sollen Ängste abgebaut werden, die bei vielen Patienten herrschten, so Heptner. Drei Viertel der Patienten fürchteten sich vor Schmerzen bei der Koloskopie oder gar vor Verletzungen.

Dabei liege die Rate der - medizinisch meist unkomplizierten - Perforation des Darms im Promillebereich. Einige Patienten, ungefähr jeder vierte, hätten eine andere Angst, die sie von der Koloskopie fernhält. "Sie fürchten sich vor einem negativen Ergebnis", sagt der Arzt.

Auch dies ließe sich zerstreuen. Von den Patienten, bei denen in seiner Praxis bei der Koloskopie ein Tumor diagnostiziert wurde, waren noch 80 Prozent nach fünf Jahren dank der folgenden Therapie am Leben, so Heptner.

Kooperationspartner von "Sachsen gegen Darmkrebs" sind unter anderem die Ersatzkassen und Medien. So gibt es bei der "Sächsischen Zeitung" regelmäßig ein Telefonforum, bei dem Gastroenterologen Fragen von Lesern beantworten, mit großer Resonanz.

Hier werde erfahrungsgemäß häufig gefragt, wie die Vorsorge funktioniere und ob sie mit Schmerzen verbunden sei. Die Kooperation mit Medien und Werbung für die Vorsorge ist nach Heptners Erfahrung unerlässlich, um Patienten dazu zu ermutigen, von der Kassenleistung Gebrauch zu machen.

Doch auch das Gespräch beim Hausarzt sei kaum zu unterschätzen - und offenbar gibt es dort Defizite. So merke er, dass besonders viele Patienten zur Vorsorge kämen, wenn er selbst zuvor gegenüber Hausärzten auf die Wichtigkeit der Untersuchung hingewiesen hat. "Leider ebbt diese Welle dann schnell wieder ab."

Er möchte das nicht als Vorwurf an die Hausärzte verstanden wissen, die "bürokratische Belastung ist einfach zu hoch". Heptner weist aber auch darauf hin, dass ein einfaches Patientengespräch meist genüge, zur Vorsorgeuntersuchung zu animieren.

Knapp 80 Praxen sind an der Initiative in Sachsen beteiligt, die flächendeckende Versorgung sei allerdings "ein wunder Punkt", sagt Heptner. Vor allem in der Lausitz fehle es an Kollegen, die koloskopieren können. "Aber auch hier müssten Patienten nach rund sechs Wochen einen Termin bekommen."

Heptner setzt darauf, dass bald neue Internisten in der Lausitz anfangen können, Hoffnung gibt ihm die neue Bedarfsplanung. Die KV hat kürzlich erklärt, dass durch die Berücksichtigung des demografischen Faktors in Sachsen mehr als hundert zusätzliche Fachärzte tätig werden könnten.

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