LSG-Urteil

Zeckenstich in Deutschland gut behandelbar

Ein Kläger, der Borreliose in der Türkei behandeln lassen wollte, scheiterte.

Veröffentlicht:

CELLE. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen Patienten keinen Gesundheitstourismus ins Ausland finanzieren. Lässt ein Patient seine Borreliose-Erkrankung in der Türkei behandeln, muss er dafür selbst aufkommen, wie jetzt das Landessozialgericht (LSG) Niedersachsen-Bremen in Celle entschied. Die Behandlung könne auch gut in Deutschland vorgenommen werden. Es wies damit einen 40-jährigen, türkischstämmigen Mann aus dem Landkreis Vechta ab.

Er war infolge eines Zeckenstiches an Borreliose erkrankt. Mit der Behandlung in Deutschland war er aber unzufrieden. Er reiste daher in die Türkei und ließ sich dort weiterbehandeln. Die Kosten in Höhe von rund 860 Euro wollte er sich von seiner Krankenkasse erstatten lassen. Seine deutschen Ärzte hätten keinen Rat mehr gewusst und ihm nur noch eine psychiatrische Behandlung empfohlen. Nach der Behandlung in der Türkei sei er nun halbwegs schmerzfrei.

Die Krankenkasse lehnte eine Kostenerstattung ab. Er habe die Behandlung ohne vorherige Genehmigung durchführen lassen. Dem folgte das LSG. Borreliose sei auch in Deutschland gut behandelbar. Der Kläger habe aber nur in seiner unmittelbaren Wohnortnähe Ärzte aufgesucht und Fachärzte erst gar nicht konsultiert. Es sei daher auch keine "unnötige Förmelei", dass die Krankenkassen einen Kostenerstattungsantrag vor und nicht erst nach der Auslandsbehandlung verlangen. Dies hätte hier der Kasse die Möglichkeit gegeben, eine Behandlung bei einem Facharzt zu empfehlen. (fl/mwo)

Urteil des LSG Niedersachsen: Az.: L 16 KR 284/17

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Umfrage

Selbstmedikation bei Deutschen beliebt

Kranken- und Pflegeversicherung in der Krise

Scholz schließt Leistungskürzungen bei Gesundheit und Pflege aus

Seltene Erkrankungen

Ganzgenomsequenzierung ist startklar

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Forschung zu Neuroprotektion

So wird versucht, das Gehirn nach dem Schlaganfall zu schützen

Biomarker-Analyse

Lässt sich die Aussicht auf gesundes Altern im Blut erkennen?

Lesetipps
Blick nach oben in die Baumkronen, sie sich verzerrt dargestellt

© visualpower / stock.adobe.com

Schwindel und massive Blutdruckabfälle

Kasuistik: Kopf im Nacken, Blutdruck im Keller

Um eine Empfehlung für den Off-Label-Einsatz von Semaglutid bei Alkoholabhängigkeit auszusprechen, sei es definitiv noch zu früh, so Wang und Mitforschende. Das Team verweist auf fünf laufende klinische Studien, die mögliche Zusammenhänge untersuchen. Deren Ergebnisse gelte es abzuwarten.

© draghicich / stock.adobe.com

Weniger Verlangen nach Alkohol

Schützt Semaglutid vor Alkoholmissbrauch?