Kommentar zu den GKV-Finanzen

Zu kurz gesprungen

Die Ausgaben der GKV werden schneller steigen als ihre Einnahmen. Als Schlussfolgerung darauf, nur Kostensenkung zu fordern, greift zu kurz.

Von Denis Nößler Veröffentlicht: 09.10.2019, 16:13 Uhr

Die Mehrheit der Bürger erwartet Beitragssatzsteigerungen, heißt es im neuen MLP-Gesundheitsreport. Und zeitgleich publiziert die Bertelsmann-Stiftung eine Studie, die den GKV-Beitragssatz im Jahr 2040 zwischen 16,9 und 18,7 Prozent verortet.

Alarmismus? Mag sein, denn dass die goldenen Zeiten der GKV erst einmal vorbei sein dürften, wird jetzt immer deutlicher: Politisch gewollte Ausgabensteigerungen sorgen für ein Abschmelzen der Kassenreserven, die Abhängigkeit der Beiträge von der Konjunktur und die demografische Entwicklung sind bekannte Herausforderungen.

Die Krux aber liegt in den Antworten darauf. Da springt die Bertelsmann-Stiftung mit ihrer Forderung nach einer Kostendämpfungspolitik bei Krankenhäusern zu kurz. Freilich wird die Kliniklandschaft nicht bleiben können, wie sie ist. Ein vielleicht aber besser geeignetes Rezept gegen Überversorgung hätten die Bertelsmann-Autoren im MLP-Report finden können.

Darin spricht sich eine Mehrheit der Ärzte und fast jeder zweite Bürger indirekt für ein Primärarztsystem aus. Dass sich damit Kosten senken und womöglich die Lebenserwartung verbessern lassen, haben die Evaluationen der Haus- und Facharzt-Programme hinreichend belegt. Einen Versuch wär‘s wert.

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler

Danke an Denis Nößler für den klugen Kommentar zu den GKV-Finanzen!

Es ist m.E. Alarmismus pur, wenn die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie den GKV-Beitragssatz im Jahr 2040 zwischen 16,9 und 18,7 Prozent verortet.

Offensichtlich ist den Studienexperten vom IGES in Berlin, die nicht mal ihre eigene Abkürzung offiziell erklären können oder wollen, entgangen, dass derzeit der Beitragssatz bei 14,6 Prozent liegt. Für 2018 hatte das Bundesgesundheitsministerium für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) einen Überschuss von zwei Milliarden Euro gemeldet, 2017 waren es drei Milliarden gewesen. Ende 2018 betrugen die Rücklagen der GKV-Kassen insgesamt 21 Milliarden Euro.

Eine Dramatik des Anstiegs von 14,6 auf 16,9 bis 18,7 Prozent innerhalb von 21 Jahren bis 2040 darlegen zu wollen, ist einfach nur schwachsinnig! Denn es bedeutet eine kaum messbare jährliche Steigerung um 0,12 bis 0,20 Prozent und würde voraussetzen, dass im selben Zeitraum die Lohnsummen und die Beitragsbemessungsgrenzen nicht mehr ansteigen bzw. die GKV-Finanzreserven nicht angetastet werden würden.

Da kann ich der Bertelmann-Stiftung und ihrem Berliner IGES-Institut nur empfehlen, sich mal auf die Grundrechenarten zu besinnen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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